Jedes Jahr Weltfrauentag und jedes Jahr die gleichen Fragen und die gleichen eingeübten Rituale: Braucht es überhaupt so einen Tag, reichen nicht Blümchen, ist die Gleichberechtigung nicht schon erreicht und was soll das alles? Was ist mit den Männern? Und warum feiern ihr doofen Feministinnen eigentlich Frauchentag, wenn Gender nur ein Konstrukt ist, hihi. Alles sehr aufregend. Dementsprechend routiniert und schlagfertig erfolgen die Reaktionen.

Aber Weltfrauentag ist eben immer auch mehr als das. Ist Frauenkampftag, ist kreativer Protest und das Verdichten und Sichtbarmachen von politischen Forderung, ist Solidarität. Feminismus drückt sich an diesem besonderen Tag sehr deutlich aus und hat auch kein Problem damit, gegebenenfalls noch deutlicher zu werden.

Weltfrauentag heißt in der heraufdämmernden Ära des autokratischen Machismo, dass der Protest vernetzter und globaler wird und werden muss. Denn alles steht auf dem Spiel. Das, was gerne leichthin als Komfortzone eines geschlechtergerechten Miteinanders markiert wird, ist in Wahrheit ein Schlachtfeld, auf dem jeder Sieg teuer errungen wird und jederzeit wieder zerschlagen werden kann. Deshalb gehen tausende Frauen* in der Türkei ebenso auf die Straße wie in den USA, Mexiko, Deutschland, Brasilien, Spanien und Russland. In Italien, Kenia, China, Indonesien und Südkorea. Sie tragen in Irland schwarz und in den USA rot. Sie streiken, besetzen Plätze, treten in Erscheinung. Sie inspirieren

und diskutieren. Sie werden geehrt. Sie werden umworben. Wobei die Dornen dieser Umwerbung selten so stark zutage treten wie an diesem Tag. Diesem Tag, wo man ihnen sagt, dass Mann sich noch an sie gewöhnen müsste.

Dass Mann ihr „Dienen“ wertschätzt.

Und es natürlich nett gemeint hat. Natürlich.

Was fehlt bei diesen Dornen noch? Ach ja: Wie jedes Jahr tut sich die Welt damit hervor, Frauen so richtig hippen Antifeminismus streuen zu lassen. Patriarchatskronzeuginnen eben und man möchte ganz aus dem Häuschen geraten, weil – hui – das hatten wir ja noch gar nicht. Nie. Deshalb durfte dieses Mal Birgit Kelle DEM Feminismus vorwerfen, er schaffe die Weiblichkeit ab. In gewohnt unterkomplexer Bräsigkeit stellt meine ehemalige The European Kollegin dabei ihre Thesen auf und verwechselt trans mit drag, Leihmutterschaft mit Adoption und kritische Analyse mit lauwarmem Anpampen intersektioneller Arbeit. Böse Lesben, die ihre Gebärmutter vermieten, und unfruchtbare Frauen, die bei dieser Art von „Argumentation“ mal eben als Kollateralschaden liegen gelassen werden. Ein bunter Strauß an Kurzsichtigkeiten. Dabei wollte sie sich doch mehr um Frauen und Weiblichkeit kümmern. Na, wird bestimmt noch, Birgit. Denn eigentlich ist das alles gar nicht so schwer.