Ok ja, Valentinstag gehörte nie zu meinen Lieblingsfeiertagen. Liebe an und für sich ist eine großartige Sache, aber die Vorstellung, an einem festgelegten Datum eine sehr normative Vorstellung von romantisierter Liebe zu feiern, indem man sich irgendwelchen Nippes schenkt oder Gesten bemüht, die eigentlich nichts mit einem selbst oder der Beziehung zu tun haben, fand ich nie besonders toll. Und dass ich diesen Tag jetzt seit einigen Jahren durch die Pinkstinksbrille betrachte, macht es auch nicht gerade besser. Im Gegenteil: Falls sich irgendwo in mir drin tatsächlich ein kleiner Wunsch nach Blumen und Kuschelherzen versteckt haben sollte, ist er inzwischen längst von Valentinsvulven

und Rindfleisch in herzfärmiger Verpackung erschlagen worden.

Da vergeht einem nicht nur der Appetit,

sondern jede Lust, diesen “Feiertag” aus seiner kapitalistischen Hülle zu befreien und etwas eigenes draus zu machen. Das wäre ja immerhin möglich. Einfach den 14. Februar zum Anlass nehmen, um den Menschen zu feiern, der das Leben so großartig und besonders macht, dass man ihn einfach lieben muss. Aber da sind ja auch noch Geburtstage, Jahrestage und überhaupt alle anderen Tage im Jahr, an denen man genau das tun kann, ohne dafür auf so unangenehme Art und Weise aufgefordert zu werden. Valentinstag wirkt auf mich wie die Verpflichtung, sich wie in einer sehr stereotypen und seeeeehr heteronormativen Hollywoodschnulze zu verhalten, die man eigentlich schon immer ziemlich ätzend fand, aber naja, der Trailer war halt überall und man wollte sowieso schon länger mal wieder ins Kino gehen. Es ist also nicht nur dieser ziemlich furchbare “Kauft euch glücklich / Belegt eure Liebe mit Tüddelkram” Imperativ

sondern die ganze zugrundeliegende Idee von Liebe und Beziehung. Mich gruselt nicht nur die Vereinnahmung von angeblichem Beziehungshurra für die strunzigsten, “mit Liebe gewürzten” Produkte, die man sich in diesem Zusammenhang denken kann,

sondern die Rollenbilder dahinter. Valentinstagliebe ist die Liebe, die alle wollen sollen und die angefüllt ist mit Klischees von Frauen, die auf Schmuck und Blumen warten, und Männern, die sich mit Geschenken Zuneigung und Sex erkaufen wollen. Nicht gerade das, was ich mir unter einer gleichberechtigten Beziehung vorstelle. Es wirkt eher so, als wäre Valentinstag dafür da, die Unwucht einer sehr ungleichberechtigten Beziehung einmal im Jahr auszugleichen. Neben dem Verkauf von Tinnef und Kruscht natürlich.

Also ja: Mein Name ist Nils Pickert und ich bin ein Valentinsgrinch. Liebe yea, Valentinstag nay! Ist natürlich nicht so, dass ich mich auf den 14. Februar überhaupt nicht freue.

Aber im Zweifelsfall ist finde ich die Thüringenedition vom Valentinstag sehr viel cooler als die Originalfassung.

Und irgendwie auch feministischer.