Der Schuss ist kräftig nach hinten los gegangen: Beim jungen, mittelständischen Blumenladen Bloomy Days der Gründerin Franziska von Hardenberg wollte man zum kommenden Valentinstag marketingstrategisch ein bisschen Aufmerksamkeit generieren und hat sich gedacht, man könnte es ja mal mit Erotik versuchen. Im Interview mit der W&V erklärt von Hardenberg ihre Strategie genauer:

Männer sollen vor dem Rote-Rosen-Dilemma bewahrt werden, Blumenläden können Beziehungen retten und mit dem Valentinsspezialstrauß, den ALLE Frauen lieben, machen Männer ALLES richtig. Außerdem ist es so einfach, Frauen glücklich zu machen.

Zur Versinnbildlichung dieser Strategie wurde ein Plakatmotiv kreiert. Es „zeigt eine sich gerade entfaltende Mohnblume, die mit einem Augenzwinkern an das weibliche Geschlechtsorgan erinnert.“ Auch was man sich bei dem Slogan gedacht hat, macht von Hardenberg sehr deutlich: „Wir wollten auf einen Blick und unmissverständlich zeigen, dass es sich lohnt, seine Liebste mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu erfreuen.“

Was dann folgte, war ein veritabler Shitstorm. Nutzer*innen auf der Bloomy Days Facebook Seite und im Forum der Brigitte Young Miss diskutierten darüber, wie „Bloomy Days wünscht Ihnen einen erfolgreichen Valentinstag“ in diesem Zusammenhang wohl zu verstehen sei: Nämlich so, dass hier suggeriert wird, man(n) müsse zum Valentinstag nur die richtigen Pflanzen präsentieren, dann würde frau sich schon sexuell gefällig erweisen. Auf die Kritik und kreative Plakatumdeutung von Facebooknutzer*innen

Bloomy Imitation

reagierte Bloomy Days ausgesprochen verschnupft. Svea Fritsche, die Pressemitarbeiterin von Bloomy, erklärte dazu auf Facebook:

„Weder haben wir beim Entwickeln der Kampagne beabsichtigt, Sexismus, Frauenfeindlichkeit, geschweige denn Gewalt gegenüber Frauen zu verherrlichen. Natürlich ist die Kampagne provozierend aber doch eher in dem Sinne, dass man zweimal hinschaut, wenn man die Plakate auf der Straße sieht. Ich persönlich finde es auch erschreckend, dass ihr bei dem Slogan ‚je schöner die Blumen, desto schöner das Dankeschön‘ euch angesprochen fühlt, die ‚Beine für einen Blumenstrauß breit machen zu müssen‘. Das ist doch kompletter Unsinn! Gerade in Zeiten von Gleichberechtigung, sind genau eure Kommentare diejenigen, die beweisen, dass ihr euch anscheinend immer noch nicht emanzipiert fühlt. Als selbstbewusste junge Frau steh ich voll und ganz hinter unserer Kampagne und fühle mich beim Betrachten des Plakats weder auf Klischees reduziert, noch dazu verpflichtet, mich für Geschenke sexuell zu ‚bedanken'“.

Auch dieser Schuss ging zu Recht nach hinten los. Denn der Vorwurf an die Diskussionsteilnehmer*innen, dass sie nicht hip und emanzipiert genug seien, um über diese Art der Werbung „drüberstehen“ zu können, ist kein Argument sondern eine ziemliche Frechheit.

Die ganze Sache ist ziemlich uncool – nicht nur weil von Hardenberg letztes Jahr noch als Vorbildunternehmerin in das Wirtschaftsministerium eingeladen wurde und sich für Frauen als Gründerin stark macht. Eine Nutzerin kommentierte dazu auf Facebook: „Wie schade, dass so ein anscheinend eigentlich ganz netter Blumenladen so eine ätzende Scheißkampagne raushauen und dann auch noch die Kritiker verspotten muss.“

Nils Pickert