Gelegentlich passiert es mir, dass ich von meiner eigenen Naivität überrascht werde. Als gebürtiger Ossi reichen dazu auch nach 25 Jahren manchmal Kleinigkeiten aus: Klebeknete zum Beispiel oder frisches Obst im Winter. In Bezug auf Pinkstinks braucht es dazu schon etwas mehr. Nach Hundefutter und Särgen

lindner särge

fühle ich mich eigentlich gegen so ziemlich alles gewappnet. Als man uns allerdings letzte Woche darauf hingewiesen hat, dass Attila Hildmann, einer der bekanntesten veganen Köche Deutschlands, Autor eines preisgekrönten Kochbuches und gern gesehener Gast in diversen TV Shows, als „Vegangsta“ jetzt in Sexismus macht, konnte ich es zunächst nicht fassen.

Warum? Wieso hat mich das so überrascht? Wahrscheinlich halte ich Menschen mit veganer Lebensweise für moralisch konsequentere Personen. Ich nenne das den umgekehrten Bewegungsstiftungseffekt. Immer wenn Stevie und ich auf einem Treffen der Bewegungsstiftung sind, treffen wir jede Menge Vegetarier*innen und Veganer*innen. Irgendwie scheint es dazu zu gehören: Menschen, die sich politisch für eine gerechtere, gesündere, weniger verstrahlte Gesellschaft einsetzen, ernähren sich auch dementsprechend. Dieser Zusammenhang hat sich offenbar bei mir festgesetzt, scheint sich aber nicht zwingend mit der Realität zu decken. Und in Bezug auf Attila Hildmann heißt das eben, dass ein Veganer auch sexistisch sein kann,

„schon krasseres erlebt hat als ein paar Internet-Alice-Schwarzers„, den Begriff „Food Porn“ wörtlich nimmt und Sachen sagt wie „Bitches lick my icecream balls“ oder „Fleischessen hat für viele Männer den Charme einer Schwanzverlängerung, aber vegan ist das neue Viagra.“

Aber wahrscheinlich bin ich nicht nur naiv sondern auch noch humorlos und das alles ist wahnsinnig witzig, ironisch gebrochen und spielt nur mit Klischees. Mit ultraharten Machermännern und eisleckenden, „foodpornösen“ Frauen – alles rein vegan versteht sich.