Ach guck, jetzt habe ich ihn endlich mal verwendet: Diesen Titel hatte ich mir schon länger für einen Pinkstinkstext zurecht gelegt und jetzt war die Zeit einfach überreif dafür. Einfach weil er so harmlos aussieht und gleichzeitig so nachhaltig irritiert. Solche Begriffe verwenden wir in der deutschen Sprache für gewöhnlich nicht. Obwohl der Duden die Familienmutter kennt, kommt sie so praktisch nicht vor. Die Antwort darauf, warum das so ist, liefert der Duden mit der Bedeutung  gleich mit:

Mutter, besonders im Hinblick auf die Fürsorge für ihre Familie.

Da wir uns gesellschaftlich darauf verständigt haben, dass Mütter immer besonders fürsorglich sein müssen, brauchen wir den Begriff einfach nicht. Mutter reicht. Familienvater, das ist natürlich etwas ganz anderes. Wenn Väter Fürsorge für ihre Familie an den Tag legen, wird das ganz selbstverständlich extra markiert. Hätte man auch einfach nicht mit rechnen können, dass Väter dazu in der Lage sind. Deswegen können wir  uns vom Familienvater auch ohne Schwierigkeiten ein Bild machen, während die zweifache Familienmutter in dieser Formulierung einigermaßen befremdlich wirkt.

Mit dem berufstätigen Vater oder dem Familienmanager verhält es sich ähnlich. Selbstverständlich haben Väter Berufe, darüber muss überhaupt nicht diskutiert werden. In unserer Wahrnehmung kommt das als Pleonasmus daher – wie runde Kugel oder tote Leiche. Die Erwähnung ist überflüssig. Der Familienmanager ist hingegen ein Ding der Unmöglichkeit.

Väter sind „richtige“ Manager und machen qua Geschlecht nicht in Care-Tätigkeiten. Der Versuch, die unentgeltliche Care-Arbeit von Frauen mit dem Begriff Familienmanagerin (also mit dem Hinweis darauf, dass das eine ziemlich verantwortungsvolle und umfassende Tätigkeit ist) aufzuwerten, verfängt bei Männern überhaupt nicht und würde im Gegenteil eine Abwertung darstellen. Im gleichen Raum gesteht man der Familienmanagerin gönnerhaft zu, auch so etwas wie Karriere gemacht zu haben, während der Familienmanager seine Karriere verkackt hat. Niemand bringt die Absurdität dieser Situation besser auf den Punkt als der Twitteraccount manwhohasitall, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ganze verlogene Doppelzüngigkeit in den geschlechtsspezifischen Ansprachen an Männer und Frauen durch Umkehr aufzuzeigen.

Natürlich kann man einwenden, dass das alles nur Worte sind. Eigentlich sind wir alle schon voll gleichberechtigt und verteilen Rechte und Pflichten fair. Stimmt nur leider nicht. Tatsächlich steckt Sprache den Rahmen unserer Wirklichkeit ab und wir täuschen Gleichberechtigung lediglich vor, während wir uns von unseren eigenen Ansprüchen abhängen lassen.