Pinkstinks wird oft gefragt: „Und was ist mit den Jungs?“

Und: Wir mögen Jungs sehr.

Jungs erhalten natürlich ihre eigene Konditionierung durch Spielwaren und Medien – die Themen sind meist Dominanzverhalten, Aggression und Gewalt. Es fehlt die Begegnung mit pflegenden Konzepten, Puppen, Tiere, insbesondere Pferde (die obligatorischen Ponys!) werden routinemäßig an Mädchen vermarktet. Das Liebesherz, das bis zum Wahnsinnigwerden an Mädchenprodukten klebt, wird den Jungs verwehrt. Keine Liebe für Jungs….

Die ihnen zugesinnten Farben sind oft und unfairerweise dunkler. „Lass uns doch den knallroten Pulli noch ein paar graue Streifen hinzufügen, falls Max sich darin ausversehen für ein kleines Mädchen oder gar schwul fühlt.“ Alles, was Sanftheit, Niedlichkeit oder Schönheit repräsentiert, ist Mädchenangelegenheit. Schmetterlinge, Vögel, Rehe etc. sind deshalb tabu.

Dafür bekommen Jungs starke Botschaften, dass sie „praktisch, aktiv, stark“ sein dürfen, was sie weniger verniedlicht und schwächt. Gleichzeitig bekommen sie leider eine ordentliche Ladung Aggro-Marketing dazu, was sie emotional nicht fördert und sie wenig fürsorglich und unbeholfen lässt. Chauvinismus findet hier seinen Anfang. Natürlich brauchen Jungs ihre eigene Kampagne (Das war ein Aufruf!).

Pinkstinks ist nicht nur für Mädchen. Die Pinkifizierung von Mädchen betrifft Jungs sehr. Wenn wir Mädchen stärken, stärken wir die Jungs gleich mit. Wenn wir Mädchen Intellekt, Aktivität und Selbstbewusstsein vermitteln wollen, trifft diese Botschaft auch Jungs.

Pinkifizierung? Wie bitte?

Pink ist die Markenfarbe für moderne Mädchenwelten geworden. Es scheint, jedes Mädchenprodukt muss Pink enthalten, um den ewigen Mythos aufrecht zu erhalten, dass Mädchen eine angeborene Liebe für die Farbe haben. Das ist jedoch ein Konstrukt. (Zu Kaiser Wilhelms Zeiten waren die Mädchen noch madonnenhaft in hellem Blau gekleidet, und rosa (das kleine, royale Rot), war für Jungs reserviert. Pink sind Mädchen erst seit den 70er Jahren – kurz nach der Einführung der Pille fing das Mädchenbranding an. Siehe hierfür den Blog „Die Geschichte von Pink“.)

Das Marketing für Pink ist aggressiv und omnipresent. In Mädchenspielzeug geht es vornehmlich um Verniedlichung, um Verschönerung (zu einem modernen, künstlichen Schönheitsideal), und wenn es nicht primär darum geht, zeigt die Farbe rosa an, dass es „harmlos“, also für Mädchen ist: Wie pinkes Memory oder pinke Fahrräder. Pink ist ein Branding, das erfolgreich ein sexistisches, ungesundes Image des Mädchenseins kreiert: Anstatt mit Barbie zu spielen, sollen Mädchen Barbie SEIN.

Jungs sind jedoch nicht immun. Hier sind zwei Pinkstinks Gründe, warum Pinkifizierung auch für Jungs schlimm ist:

Erstens: Jungs werden von Spielwelten ausgeschlossen, die als „mädchenhaft“ definiert werden.

Es ist für Mädchen eher kulturell akzeptabel, von ihrer Genderrolle abzuweichen, als für Jungs. Für Jungs ist es in den meisten kulturellen Kreisen schlimm, „mädchenhaft“ zu wirken: schüchtern, sanft, emotional etc. Obwohl es sexistisch und anachronistisch ist: mädchenhaft zu sein heißt, weniger männlich zu sein. Ziemlich sicher finden Mama, Papa, oder Schulfreunde es nicht so toll, wenn Billy ein pinkes Stofftier mit Ohren haben möchte, die man flechten kann. Jungs werden von bestimmten Aspekten normalen Spielverhaltens ausgeschlossen, weil die Sorge aufkommt, sie könnten homosexuell sein. Basteln, Tanz,, Puppen, „Haus“-spielen, verschiedene Tiere und Symbole sind für Jungs unzugänglich und sind schon lange mit femininen Konnotationen aufgeladen, die jetzt pink eingefärbt sind.

Es gibt offensichtliche und dokumentierte Neigungen von Kindern, mit den „offiziellen“ Spielwaren ihres Geschlechts zu spielen. Man kann sein Kind jedoch nicht im Vakuum erziehen, insoweit ist eine angeborene Neigung fragwürdig (siehe Leitartikel der GEO vom Juli 2012). Einflüsse der Umwelt werden vom ersten Lebenstag aufgenommen. Kinder spielen generell nicht mit Spielsachen, die dem anderen Geschlecht zugeordnet sind, und Farbkodierungen führen die Kinder weiter auf dem Pfad der limitierten Wahl. Ein Junge wird sich bewusst, unbewusst oder durch andere zurückgehalten nicht mit Mädchendingen beschäftigen. So werden Kinder, deren Spielverhalten normalerweise in andere Geschlechtersphären tendieren würde, limitiert. Und solche Limitierung zu vermarkten, ist Unterdrückung.

Zweitens: Jungs werden durch die pinke Kultur von Mädchen fern gehalten.

Unsere Gesellschaft möchte den Mythos aufrecht erhalten, dass Mädchen und Jungs sich fundamental unterscheiden – aber neueste Erkenntnisse zeigen, dass dies keinesfalls biologisch zu begründen ist. Der wahre Unterschied ist minimal und wird schamlos ausgebeutet. Sicherlich gibt es für unschuldige Kinder keine mächtigere Bestätigung der Geschlechterdifferenz als durch die Trennung der Spielwaren und Kleidung. Diese sagen Kindern „Ihr dürft euch nicht frei bewegen!“

Nicht-inklusives Spielverhalten fördert Gegensätze zwischen den Geschlechtern. Wenn „mädchenhaft“ für Jungs abgelehnt wird, heißt dies auch, dass „mädchenhaft“ nichts wert ist und nicht gewünscht wird. Macht und Aggression zu glorifizieren heißt, Mädchenhaftes auszugrenzen. Pinke Kultur reduziert Mädchen zu eindimensionalen, geschlechtlichen Wesen. Dies hat Auswirkungen auf Missbrauch in jugendlichen Beziehungen: Wenn wir Mädchen beibringen, niedlich zu sein, und Jungs, aktiv zu sein und Mädchenhaftes abzulehnen, müssen wir uns nicht über eine erlernte Hilflosigkeit von Mädchen wundern, deren dominanter Wunsch es ist, zu gefallen.

Periphere Begegnungen mit der rosa Glitzerwelt und kichernden Mädchen lässt Jungs eine verzerrte Idee bekommen, was es heißt, ein Mädchen zu sein. Ein Mädchen mag eine vage Idee haben, dass dieses Spielzeug sie nicht repräsentiert, aber können Jungs das sehen? Und Mädchen, die sich sehr repräsentiert fühlen, werden das Bild der Jungs bestätigen. Die Farbwelt der Mädchen wird so selten den Jungs gewahr, und das Resultat ist alles andere als „schön“.

Elaine Johnson, übersetzt von Stevie Schmiedel