Coppenrath hat eine Pressemitteilung herausgegeben. Hamburger Morgenpost und Berliner Kurier zitierten gestern den gleichzeitig erschienenen Spiegel zum Thema „Prinzessin Lillifee“: Der Chef des Coppenrath-Verlages wehrt sich gegen die Kritik von Pinkstinks und sieht an der Figur „nichts Verwerfliches“. Im Gegenteil, sie würde einfach nur Spaß machen, das sollte man Kindern doch mal gönnen. Wir stehen da als spaßlose Eltern, die unseren Kindern pädagogisch wertvolles Spielzeug aufdrängen und am liebsten wünschten, dass unsere Kinder in der vierten Klasse schon fließend Chinesisch sprechen.

Eine Psychologin unterstützt Coppenrath: „Feministinnen sollten eher versuchen, Mädchen zu verstehen, als ihnen ihre oft ohnehin nur vorübergehende Lieblingsfarbe auszureden.“ Ines Imdahl heißt die Frau, die uns und unsere Kinder so genau kennt. Sie ist Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon, und meint, pink „sei so klar und dominant, dass auch Jungen die Farbe attraktiv finden und selbstbewusst äußern: ‚Es gibt keine Mädchenfarben.‘ Sie haben recht. Farben sind Farben – und als solche erst einmal nicht ‚geschlechtlich‘. Das verstehen Kinder oft besser als Erwachsene. Auch Mode für kleine und große Männer mit hohem Rosa- und Lilaanteil findet Akzeptanz und zeigt, dass solche Geschlechterfestlegungen nicht angeboren sind.“

Wenn das so wäre, liebe Frau Imdahl, hätten wir keine Probleme mit der Pinkifizierung der Spielwarenwelt. Richtig, erwachsene Männer dürfen rosa tragen, nicht aber Jungen. Wir „Feministen und Feministinnen“ haben auch nirgendwo erwähnt, dass wir unseren Kindern ihre vorübergehende Lieblingsfarbe ausreden. Ich persönlich hatte schon das Vergnügen, meine jüngere Tochter in ihrem heißgeliebten Rosa einzukleiden um zwei Tage später zu erfahren, dass sie die Farbe nie wieder sehen möchte.

Wir reden niemanden etwas aus, unsere Kampagne hinterfragt. Sie ist an Eltern und Produzierende gewandt, nicht an Kinder. Wir wollen Bewusstsein schaffen für das Problem, dass kleine Mädchen von Lillifee sehr wohl einen lasziven Augenaufschlag und eine Limitierung auf äußere Werte lernen, die viel später – wenn rosa schon längst tabu geworden ist – sich in der sexistischen Werbung und Populärkultur um sie herum wiederfinden und deshalb ihre Akzeptanz garantieren. Wir erklären, dass eine Akzeptanz von Germanys Next Topmodel und Bravo-Artikeln, die ihnen vorschreiben, wie ihre Schamlippen auszusehen haben, nicht aus dem Nichts kommt.

Meine Kinder haben bisher noch kein Radio- oder Fernsehinterview, keinen Zeitungsartikel mit mir gehört oder gesehen. Sie wissen, dass ich dafür kämpfe, dass alle Kinder alle Farben tragen dürfen, und alle mit Puppen und Autos spielen dürfen. Mehr nicht. Nein, ich erkläre ihnen nicht, dass Coppenrath sehr viel mehr Geld hat als Pinkstinks, und deshalb PR-Mitteilungen effektiv platzieren kann. Oder dass Psychologie-Studierende oft erschreckend wenig aktuelle Genderforschung auf dem Lehrplan haben. Aber euch darf ich’s ja sagen.