„Wenn du mir jemals etwas für die Küche schenkst, dann hoffe ich, es ist ein Messer, dann kann ich damit gleich auf dich losgehen“.

Weil ich häufiger erlebt habe, dass Frauen nicht auf Wunsch Küchengeräte, Schürzen oder Kochbücher geschenkt bekamen, sondern weil sie Frauen waren, machte ich meinem Mann zu Beginn unserer Beziehung meine Meinung zu Klischeegeschenken deutlich (und weil er mir kurz zuvor von einer Geschäftsreise einen Snoopy-Schlafanzug mitgebracht hatte).

Mein Vater hat meiner Mutter immer entweder Schmuck oder was für die Küche geschenkt, und zwar nicht, weil sie sich das gewünscht oder er sich Gedanken gemacht hatte, sondern weil er alle Geschenke aus einer Schublade nahm – und zwar aus der doofen Gender-Schublade. Und noch immer wird sie jedes Jahr ab November geölt und neu gefüllt von allen möglichen Frauen- und Männermagazinen. Geschenke für die Frau? Wir empfehlen vier Doppelseiten Düfte, einen Mädelstag mit Pralinenkurs, einen gaaanz weichen Bademantel mit total süßen Katzenohren oder Musicalkarten. Geschenke für den Mann? Unbedingt den Leatherman, die scherzige Krawatte mit integriertem Flaschenöffner, ein BEEF!-Abo oder den Adventure-Gutschein für einmal einem Moschusochsen in die Magenkuhle boxen.

Klar habe ich das hier ein bisschen übertrieben und, klar, muss diese Tipps niemand beherzigen, aber das ändert ja nicht, dass am Heiligabend Menschen leider oft keine Liebe, sondern Klischees weitergeben. Nach denen sind Frauen schwach, harmoniebedürftig und lieben Kümmern und Kuscheln, während Männer bärenstark sind und zupacken wie draufhauen können, außer die Frauen kümmern sich gerade, dann sind sie super im Füße hochlegen und sich über Frauen lustig machen.

Da wundert mich weder, dass es nach der 3. Flasche Wein am Heiligabend so oft knallt, noch dass am 27. Dezember die Einkaufsstrassen wegen Umtausch bumsvoll sind. Es ist doch so: Genausowenig wie ein Geschlechtsorgan bestimmt, ob es sich beim dazugehörigen Menschen um eine Frau oder einen Mann handelt, bestimmt die Kategorie Mann oder Frau das Bedürfnis nach Flauschig- oder Haudraufigkeit. Ich zum Beispiel hätte doch gern das oben erwähnte Messerset, wenn mein Mann auf die Idee käme, mir Karten für König der Löwen zu schenken. Ich kenne aber Männer, die Musicalkarten so feiern würden wie ich einen Leatherman.

Was meiner Meinung nach für ein gutes Weihnachtsgeschenk hilfreicher wäre als Gender-Schubladen sind Zettel und Stifte. Mit denen können wir aufschreiben, was wir an dem zu beschenkenden Menschen mögen. Woher kennen wir uns? Was mag er? Worüber unterhalten wir uns gern? Gibt es etwas, das ich ihm immer schon mal sagen wollte? Gibt es etwas, das uns besonders verbindet? Diese Überlegungen führen häufig zum perfekten Geschenk. Ok, manchmal ist es perfekt und kommt trotzdem nicht gut an. Ich habe zum Beispiel mal einem Ex-Chef, der wütende Frauen als „schlecht gefickt“ bezeichnete, eine Schwanzverlängerung geschenkt. Fand ich top und er höchstens geht so.

Aber wenn ihr die Menschen, für die ihr was sucht, mögt, kann es sehr gut sein, dass der Zettel bereits das Geschenk ist: und zwar ein aufrichtiges, schönes Kompliment. Darüber würde ich mich auf jeden Fall mehr freuen als über alle hier aufgezählten Geschenke zusammen.

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