»I’m not Heidis Girl. Ich bin mehr als mein Aussehen.«

»Germany’s Next Topmodel« bringt seit 2006 Quote für den Sender ProSieben und schädliche Schönheitsideale in Deutschlands Kinderzimmer. »Schluß damit« fordert PINKSTINKS schon seit vielen Jahren. Ein Song brachte schließlich die notwendige Aufmerksamkeit.

NotHeidisGirls_Abele

Über 90% der 16-jährigen Mädchen in Deutschland schauen regelmäßig »Germany’s Next Topmodel«, über 60% davon wünschten sich, ihre Mutter wäre Heidi Klum1. Das ist eine verstörende Zahl angesichts der Tatsache, dass die Sendung die Entstehung von Essstörungen begünstigen kann, ein devotes Frauenbild prägt und Konkurrenzkampf unter Mädchen schürt anstatt sie gegen die bestehenden Hindernisse für Frauen in Gesellschaft und Arbeitswelt zu solidarisieren. Eine neuere Studie von März 2025 zeichnet ein mittlerweile noch Besorgnis erregenderes Bild der Auswirkungen der TV-Show2


Trotz der zunehmenden Auseinandersetzung mit Sexismus in der Gesellschaft verändert sich das Format der Sendung kaum. In der Vergangenheit hat »Germany’s Next Topmodel« versucht diverser aufzutreten, aber machen wir uns nichts vor: Junge Frauen (und dann auch Männer) werden auch weiterhin danach bewertet wie sie aussehen. Dazu verlangt die Jury – allen voran Heidi Klum ­­­- immer schön freundlich und angepasst zu sein. Nacktaufnahmen inklusive. Erst dann winkt »Ich habe heute ein Foto für dich«, was für die Kandidat*innen dann das Erreichen der nächsten Runde bedeutet. Wir können »GNTM« wie »Germany’s Next Topmodel« abgekürzt wird kaum anders sehen als einen Machtmissbrauch an jungen Frauen unter dem Deckmantel die »Karriere« zu boosten. Selbst, wenn wir das Stereotyo der gehorchenden jungen Frau mal wegdenken. Und selbst, wenn die jungen Zuschauer*innen reflektiert genug sein sollten, um die Show als Show zu decodieren: Die Botschaft bleibt doch hängen. Nämlich, dass sich der Wert eines Menschen nach dessen Aussehen bemisst. 

Lynne, 14 Jahre

So und ähnlich klangen Schüler*innen zweier Hamburger Schulen, die wir zu »Germany’s Next Topmodel« befragten. Damit dieses Gefühl von »Falsch sein« nicht weiter verstärkt wird, haben wir gemeinsam mit verschiedenen Schüler*innen eine Kampagne gestartet. Eine besondere Kampagne, denn wir haben musikalisch protestiert, indem wir einen Song aufgenommen und ein Video dazu gedreht haben. Klingt nicht nach Protest? Aber Hallo! ­­- wenn man reinhört und die Klickzahlen und die zahlreiche Berichterstattung über diesen Song bedenkt!

Der Hashtag #NotHeidisGirl greift den Hashtag der Vulvarines auf, der sich wiederum auf den Hashtag von Heidi Klums Aufruf zur Teilnahme an »Germany’s Next Topmodel» 2018 bezieht: #ichbingntm2018. Definitiv NICHT Heidis Girl wollten die Hamburger Schülerinnen in unserem Video sein.
Und so enstand ein selbst getexteter und eigens komponierter Song, der gegen Schönheitszwänge protestiert. Es 
geht um Freundschaft, Zusammenhalt und darum, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. »Ich bin mehr als mein Aussehen. Ich bin nicht Heidis Mädchen.«

© Marcel Wicker PINKSTINKS

Lyrics vom Song »Not Heidis Girl«

Thank God, it’s February
And everybody is excited to see
Catwalks of skinny girls in high-heels
Makeovers, catfights and diet meals
A whole new season, but it’s all the same
Zero-sized models and bodyshame
They say only one can be
Topmodel of Germany

 

But I’m not Heidis girl
I’m a firework
of talents, voice and more
So much to adore
I’m not Heidis girl
I can be anything in this world
Got style and brain and more
Just so much to adore

 

I’ve got skinny friends and I love them to bits
But what about those who do not fit?
Into fashion’s harsh dictatorship
Into the medias sexist shit
I am more than my looks
I can offer more than those crooks
Want me to show, I’m not born to obey
I’ve got a voice that I will use to say


That I’m not Heidis girl

Stop making us hate ourselves and each other
Let’s all be stars, let’s be sister and brother
Just stop!

I’m not Heidis girl

Der Song wurde in den sozialen Medien gespreadet und konnte im PINKSTINKS Shop kostenlos heruntergeladen werden. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Song täglich 100.000-mal angeschaut. Aufgrund unglücklicher Umstände (thanks but no thanks an den Algorithmus) wurde der virale Trend zwischenzeitlich gestoppt, innerhalb weniger Tage aber wurde das Video trotzdem eine Million Mal geklickt. Vom Engagement auf den Social Media Kanälen gar nicht erst zu reden. Die Kommentarspalte vom PINKSTINKS Kanal auf YouTube musste recht schnell ausgeschaltet werden. Es gab unfassbar viel Zuspruch, aber wie üblich auch Hass-Kommentare. Solche Kommentare, mit denen junge Mädchen definitiv nicht konfrontiert werden sollten. »Viele Mädchen haben Angst, sich gegen »Germany’s Next Topmodel« auszusprechen, weil es das Thema auf dem Schulhof ist«. Gründerin Stevie Schmiedel war umso mehr begeistert, auf Kinder getroffen zu sein, die trotzdem etwas bewegen wollten.

PINKSTINKS Gründerin Stevie Schmiedel

Und, während der Song auf den Plattformen von Social Media gehört, besprochen und gesungen wurde, attestierte die Presse: »Die Kritik an der Sendung scheint diesmal eine andere Dynamik zu haben als in den Vorjahren« (siehe L’essentiel: »Kritik an Heidis Topmodel-Show erreicht neue Stufe«) Unzählige Interviews, Statements und mediale Berichterstattung später können auch wir hier bei PINKSTINKS festhalten: Der Song war ein Riesenerfolg. Aber nicht nur der Song. Begleitend zur Kampagne verteilten wir in unserem Shop auch Sticker mit dem Hashtag #KeinBildFürHeidi. Was in eingeweihten GNTM-Kreisen so viel bedeutet wie: Keine weitere Runde mehr für Heidi Klum und »Germany’s Next Topmodel« und ebenfalls gemeinsam mit den Schülerinnen entwickelt wurden. Auch die Sticker fanden im Shop reißenden Absatz. Und so sind wir glücklich und zuversichtlich, dass auch heute noch der eine oder andere Sticker daran erinnert: We are not Heidis girls. ProSieben zeigte sich vermeintlich gelassen, wohl aber zeigen die Veränderungen am Format in den letzten Jahren, dass sich etwas bewegt hat. 

Soziologin Nina Degele in der DIE ZEIT (aus: »Kritik an Germany’s next Topmodel nimmt zu«) 

Die Kampagne wurde aber nicht nur mit Kommentaren gefeiert, sondern auch von der Jury des »Smart Hero Award«. In der Kategorie »Faires Miteinander« wurde die Kampagne »Not Heidis Girl« für besondere Leistungen im Social Web ausgezeichnet, yeah!

Die Welt verändern können wir nicht von heute auf morgen. Aber wir bleiben dran, dass unsere Welt eine Welt der Vielfalt wird und gerade junge Menschen sich nicht mehr falsch fühlen, sondern in ihrem Sein bestärkt werden.

 

Credits, Liebe und Dank für die Produktion des Songs gehen an: 
Regie: Lara-Maria Wichels
Musik & Text: Marcel Wicker
Vocals: Aliya Ilgin & Jamie Watson
Kamera & Schnitt: Jendrik Wichels
Haare & Make-Up: Ruth Vahle Haruna
Nach dem Hashtag
#notheidisgirl der Vulvarines

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