Überraschungseier »nur für Mädchen«? Raus damit aus dem Regal!
Ganz offensichtlich wollten durch Gendermarketing neue Käufer*innen gewonnen werden: mit einem »Mädchen-Ei«, wie Ferrero das neue Überraschungsei ankündigte. »Neu & nur für Mädchen« mussten wir also auf den Überraschungseiern, die sich plötzlich überall im Süßigkeitenregal fanden, lesen.
Das Ei selbst: natürlich pink. Die Bewerbung machte noch mal etwas größer deutlich, an wen Ferrero sich richtet: »Ei love rosa« wurde auch auf Riesenpostern um den Zusatz »Neu & nur für Mädchen« ergänzt. In dem Ei? Weibliche Spielfiguren, die so dünn sind, dass nicht mal Platz für Organe wäre. Wie schädlich die immer gleichen Stereotypen für junge Menschen sind, können wir nicht oft genug sagen. Superdünne Puppen? Spielküche oder Mini-Staubsauger? »Nur für Mädchen«. Die Differenzierung von Produkten nach Geschlecht zementiert immer und immer wieder Rollenstereotype und Körperbilder.
Mit der Farbe wird ein Rollenmodell verkauft: Mädchen machen »Mädchen-Sachen« aber bitte keine »Jungs-Sachen«.
Die Presseerklärung von Ferrero dazu lautete wenig überraschend: »Während Mädchen integrativer und kooperativer veranlagt sind, sind Jungs deutlich wettbewerbs- und statusorientierter«. Folgerichtig für Ferrero also: Überraschungseier nur für Mädchen mit »Prinzessin & Power, Ponyhof & Selbstbestimmung«.
»Power und Selbstbestimmung« finden wir gut, aber bitte unabhängig von Geschlecht. Wir finden: Kinder sollten in ihrer Entfaltung nicht beschränkt werden. Und Rollenstereotype stellen nun mal Beschränkungen dar. Um das in eine Forderung zu gießen, haben wir eine Petition gestartet. Eine Petition, die Ferrero dazu aufruft, kein Gendermarketing mehr zu betreiben und die pinken Eier aus dem Regal zu entfernen.
PINKSTINKS Petition
Eier für alle!
Lieber Herr Vasallo, lieber Herr Nießner,
als Geschäftsführer von Ferrero wissen Sie sicherlich, dass das deutsche Grundgesetz unser Recht auf freie Entfaltung schützt (Art. 2 Abs. 1 GG) und anordnet, dass der Staat die Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und die Beseitigung bestehender Nachteile bewirkt (Art. 3 Abs. 2, 2 GG).
Die Überraschungseier »nur für Mädchen« reduzieren Verhaltensoptionen für Kinder und verfestigen Geschlechtsrollenstereotype, die Ungleichwertigkeiten erzeugen.In ihrer Eierwelt dürfen Jungen nicht »süß« sein oder pink lieben, das bleibt den Mädchen vorbehalten. Ihr einseitiges Jungenbild fördert Ausgrenzung: Jungs, die pinke Ponys lieben, wird gesagt, sie seien keine »richtigen« Jungen. Und während die kleinen Männer für Technik und Fußball stehen, sind Mädchen ihre »Spielerfrauen« oder »Fashionista« in der Form von Barbie. Dass die Identifikation mit extrem schlanken und passiven Schönheitsidolen das Körperbewusstsein schädigt und zu Symptomen von Essstörungen führt, von der 30% der Mädchen in Deutschland betroffen sind, wissen Sie sicherlich – die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt ihnen das sonst genauer.
Wir bitten Sie, die Welt unserer Kinder nicht in zwei Farben mit dazugehörigen festen Welten aufzuteilen. Wir fordern: Farben, Glitzer und Eier für alle!
Tatsächlich ist es so, dass Gender-Marketing in seiner extremsten Form verboten gehört. Die Juristin Berit Völzmann hat viel zu geschlechtsdiskriminierender Werbung gearbeitet und uns erklärt, Produkte, die Geschlechtsrollenstereotype verfestigen (Junge = Action; Mädchen = Süß) gefährden die Gleichberechtigung der Geschlechter. Nachgewiesener Weise fühlen sich Mädchen, die mit Barbie spielen, unwohler in ihrem Körper und wählen seltener technische Berufe. Ähnliches können wir ausweiten auf Eier, die Technik für Jungen, und Verschönerungsideen für Mädchen enthalten. Der Staat hat durch unser Grundgesetz den Auftrag, uns vor solch limitierenden Produkten und ihrer Werbung zu beschützen. Genauer gesagt: Uns vor der Verfestigung von Geschlechtsrollenstereotypen – auch durch Produkte und Werbung – zu beschützen und der Gefährdung der Gleichberechtigung entgegenzuwirken. In Art. 3 Abs. 2 des Deutschen Grundgesetzes steht ganz klar:
»Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.«
Art. 3 Grundgesetz
Erst mal aber appellierten wir an Ferrero mit Selbstverpflichtung: Weil es selbstverständlich sein müsste, dass man Kinder in ihrer Entfaltung nicht begrenzen darf. Und was sollen wir sagen? Unsere Petition hatte Erfolg. Dank der vielen, vielen Unterstützer*innen reagierte Ferrero tatsächlich.
Wir haben es geschafft: Die pinken Eier kamen aus den Regalen.
Leider war der Erfolg nur von kurzer Dauer. Schon nach 3 Monaten war es mit der Vielfalt unter den Überraschungseiern wieder vorbei. Aber wir sind sicher: Ferrero wird sich vor der nächsten Produkteinführung dreimal überlegen, ob sie den Weg des Gendermarketing erneut gehen wollen. Dafür gab es viel zu viel Wirbel um die paar pinke Eier und keine freundliche Presse für Ferrero. Für uns heißt das: Wenn schon die Selbstverpflichtung nicht langfristig greift, dann können wir auch den rechtlichen Weg gehen. Wir sind bereit.
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