Zuerst dachte ich, ich guck nicht richtig. Wenn man beim Einkaufen mal wieder seinem Dreijährigen erklären muss, dass man nicht das drölfzigste Pixi-Buch Buch kauft, und die Einjährige um die Quengelware – nun ja – quengelt, ist man ziemlich beschäftigt. Aber dann konnte ich doch noch mal nachschauen.

Was, was, was?! Ist das wirklich beides Kate Winslet? Echt jetzt? Also mal abgesehen davon, dass es ziemlich einfallslos wirkt, wenn mehrere Fernsehzeitschriften zum gleichen Zeitpunkt das gleiche Covermotiv wählen, muss man sich schon fragen: Ist es das gleiche? Vermutlich war es das einmal. Aber dann hat der Bildredaktion bei TV direkt die bereits bearbeitete Variante, die auf der tv14 zu sehen ist, irgendwie nicht gefallen.

Brüste, Mundwinkel, Zähne, Hautton, Kleidfarbe, Augen, (kaum vorhandene) Falten – all das musste anscheinend geändert werden, um Kate Winslet TV direkt coverfähig zu machen. Und zwar nicht zum ersten Mal, wie sich herausstellte.

2015 durfte das Lächeln noch ein kleines bisschen schief sein, die Augenpartie den Hauch von Falten haben und der Hautton etwas dunkler sein. Dafür fand man den Hals damals offenbar zu lang und erzielte per Photoshop den Effekt, man habe Kate Winslet ihren Kopf mit Wucht auf den Hals geschraubt.

Wieso? Wieso zur Hölle kann man Kate Winslet nicht einfach wie Kate Winslet aussehen lassen? Gerade sie hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass sie sich diese Art von „Verschönerung“ verbittet. Als das britische Magazin GQ 2003 der Meinung war, ihr gleich mehrere Kilo vom Körper retuschieren zu müssen,

ließ sie keinen Zweifel daran, was sie davon hält:

„Die Retusche ist maßlos. So sehe ich nicht aus und noch wichtiger: So will ich gar nicht aussehen. Ich habe ein Polaroid vom Tag des Shootings. Ich kann euch sagen, dass sie den Umfang meiner Beine um ein Drittel verringert haben. Für meinen Geschmack sah es vorher schon ziemlich gut aus.“

10 Jahre später war es die amerkanische Vogue, die es für eine gute Idee hielt, jede Spur des Alterns und ihres gelebten Lebens aus Kate Winslets Gesicht auslöschen zu müssen, damit sie auf dem Cover präsentabel wäre.

Im Heft nannte man die 38 jährige Schauspielerin, die zu dem Zeitpunkt mit ihrem dritten Kind schwanger war, dann „natürlich schön“. Zu behaupten, dass Kate Winslet darüber sauer war, ist noch untertrieben. Als Konsequenz bestand sie wenig später gegenüber ihrer Vertragspartnerin, der L’Oréal Gruppe, auf eine No Photoshop Klausel.

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Weil sie es leid war, dass man ihren Körper bis zur Unkenntlichkeit überpinselt und deformiert,

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und sie es satt hatte, dass ausgerechnet ihr Körper dazu verwendet wird, um Frauen und Mädchen ein unrealistisches Schönheitsideal aufzuzwingen, das sich niemals erreichen lässt. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation von Frauen.“ hat Winslet mehr als einmal klargestellt. Deutsche TV Zeitschriften haben das aber anscheinend verpennt oder ignorieren es geflissentlich. Dabei ist die Antwort auf die Eingangsfrage doch eindeutig. Das Aussehen von Kate Winslet gehört Kate Winslet. Nicht der Vogue, nicht der GQ und ganz sicher nicht irgendwelchen Fernsehheftchen. Ihr allein.

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