Für eine kleine NGO wie Pinkstinks, die glücklicherweise relativ häufig in der Presse vorkommt, ist eine Benachrichtigungsdienste wie Talkwalker oder Google Alerts ziemlich praktisch. So erfahren wir nicht nur, wann Interviews mit uns erscheinen, die wir dann mit euch teilen können, sondern auch wenn wir in Artikeln erscheinen, an deren Produktion wir nicht beteiligt waren. So wie dieser Text von der BILD Zeitung, der am Dienstagabend veröffentlicht wurde. Thema: Darf man SO für Pizza werben?

Das ist eine gute Frage, die wir gerne beantworten. Dazu zunächst ein paar Worte zur Firma, die diese Werbung verantwortet: UNO Pizza ist ein mittelständisches Unternehmen, das in vier ostdeutschen Städten seine gastronomischen Dienste anbietet. Das Motiv ist nicht der erste seiner Art. Schon im Dezember letzten Jahres wurde uns über die Werbemelder*in ein Onlinemotiv von UNO Pizza gemeldet, die wir als sexistisch eingestuft haben.

Die gewählte seminackte Darstellung von sexueller Verfügbarkeit ohne jeden Produktbezug ist nach unseren Kriterien mehr als ausreichend. Und auch wenn es bei anderen Gelegenheiten nicht direkt um Werbung ging, hat UNO Pizza wenig Zweifel daran gelassen, welches Frauenbild propagiert werden soll.

Das Motiv, mit dem das Unternehmen ab morgen werben will, ist also nicht zufällig so gewählt, sondern bildet die nächste Eskalationsstufe eines sich über einen längeren Zeitraum abzeichnenden Trends. Der Eindruck der sexuellen Verfügbarkeit wird hier noch einmal verstärkt, indem sowohl die Begriffe Hot und Spicy als auch der Preis auf dem Körper des Models abgebildet werden. Und ja, das ist nach gegenwärtigem Stand erlaubt. Die BILD führt die verschiedenen Positionen zu dieser Frage überraschend wenig einseitig aus und verweist beispielsweise auch darauf, dass man sich zwar beim Werberat beschweren kann, dessen Handlungsspielraum aber sehr begrenzt ist. Und da in Leipzig, Halle, Merseburg und Magdeburg im Gegensatz zu Bremen und Frankfurt kein Verbot für sexistische Werbung besteht, darf UNO Pizza so werben…

kann aber nicht – zumindest in der Innenstadt von Leipzig. Denn die dortigen Werbeflächen gehören der Firma WallDecaux, die mit Beschwerden von öffentlichen Stellen und Ärger mit dem Werberat rechnet. Die Firma Ströer hingegen hat laut BILD Zeitung nichts gegen das Motiv…

sollte sie aber. Das ist kein Grauzonenbereich mehr! Es ist auch nicht, um in der Sprache von BILD zu bleiben „zu heiß“, „pikant“ und schon gar nicht „offenbar zu sexy“. Es ist sehr offensiv sexistisch. Und Sexismus ist nicht sexy sondern Diskriminierung aufgrund von Geschlecht. Der Chef von UNO Pizza hat dafür ebenso wenig Verständnis wie BILD. Während er auf Plakate mit der halbnackten Heidi Klum hinweist, bemüht BILD Werbung für Unterwäsche von Calzedonia. Da sei ja auch „wenig Stoff“ zu sehen. Ja, ach nee! Bei Werbung für Unterwäsche.

Selbsverständlich könnte auch diese Werbung sexistisch sein. Aber das hätte nicht zwingend etwas mit Nacktheit zu tun. Dafür reicht eine pinke Tüte mit Schrift.

Darüber werden wir in den nächsten Monaten ins  Gespräch kommen – insbesondere mit den Menschen, die für mittelständische Firmen verantwortlich sind. Und zwar nicht, weil wir ihnen „das Leben schwer machen wollen“ wie der Chef von UNO Pizza vermutet. Sondern weil mittelständische Unternehmen anfälliger dafür zu sein scheinen, sexistisch zu werben.