Nächsten Montag, am 29.02.2016 ist Equal Care Day. Wie, das wusstet ihr noch nicht? Ist aber gar nicht weiter verwerflich, weil der Tag brandneu ist. Almut Schnerring und Sascha Verlan von der Rosa-Hellblau-Falle haben ihn sich ausgedacht, weil sie finden, dass mehr Aufmerksamkeit auf die Problematik ungerecht verteilter Care-Arbeit gelegt werden sollte. Ähnlich wie der bereits erfolgreich installierte Equal Pay Day, der als Aktionstag auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen hinweisen soll, will der Equal Care Day die unterschiedlichen Dimensionen von Tätigkeiten des Sorgens und Kümmerns wie Erziehung, Hausarbeit, Pflege verdeutlichen. Wie gehen wir in Deutschland damit um und was für einen Stellenwert haben solche Tätigkeiten? Wer verrichtet sie und wie wird die- oder derjenige dafür entlohnt? Auf welche Unterstützung ist man dabei angewiesen und auf welche darf man hoffen? Die Antworten auf diese Fragen zeigen, wie schlecht es um dieses Thema bestellt ist und wie viel noch zu tun bleibt. Denn

1.
Care-Arbeit wird in Deutschland sexistisch verteilt.

Frau und Mutter Kochbuch

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch, der sich um die Kinder kümmert, kocht, wäscht, putzt und im Notfall die kranken Angehörigen pflegt, weiblich ist, ist extrem hoch. So erklärt sich übrigens auch das Datum für den Equal Care Day. Über 4 Jahre bräuchte ein Mann im Schnitt, bis er mit der Care-Arbeit einer Frau gleichziehen würde. Das Kümmern um seine Mitmenschen hat ein Geschlecht. Und weil die entsprechenden Tätigkeiten immer vielfältiger werden und immer mehr Menschen ihrer bedürfen, werden die Stereotypbedrohungen und die emotionale Erpressungen, sich auch unter schlechten Bedingungen zu kümmern, immer lauter und ausgefeilter. Das hast du als Frau einfach zu leisten. Dir liegt es ja im Blut. Eine muss es ja machen. Falsch! Fakt ist, dass diese Arbeit gemacht werden muss. Und zwar nach solidarischen und nicht nach sexistischen Gesichtspunkten.

2.
Care-Arbeit wird in Deutschland rassistisch verteilt.

Unter deutschen Betten

Barbara Vorsamer hat das auf kleinerdrei so formuliert: „Damit Stefanie und Christian gleichberechtigt sind, putzt Oksana das Klo.“ Deutsche Haushalte sind voller „Schätze“ und „Goldstücke“. Die Goldstücke, das sind zumeist Frauen aus Osteuropa, die bei uns die Care-Arbeit, verrichten, die niemand machen will oder kann. Selbst wenn sich also ein Paar redlich Mühe dabei gibt, solche Tätigkeiten gleichberechtigt zu verteilen, fallen immer noch mehr an, die man dann eben outsourcen muss. Anstatt also die Gesellschaft so zu verändern, dass Care-Arbeit fair verteilt wird, bezahlen wir für unsere Gleichberechtigung mit zwei Goldstücken. Eines putzt bei uns Zuhause und wir wüssten gar nicht, was wir ohne diesen Schatz nur anfangen sollen. Das andere passt in der Heimat von unserem Goldstück auf deren Kinder auf. Frauen, die Frauen ersetzen, die Frauen ersetzen.

3.
Care-Arbeit wird in Deutschland missachtet und erfährt zu wenig Wertschätzung.

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Das bisschen Haushalt macht sich von allein. Was, du willst nur Erzieher werden? Ich höre das Baby morgens gar nicht. Putzen war nie mein Ding. Meine Frau kann das eh viel besser.
Care-Arbeit wird in unserem Land wenn überhaupt dann unterdurchschnittlich bezahlt und kaum anerkannt. Das in unseren Kinderbetreuungseinrichtungen nur 4% Männer arbeiten hat unter anderem mit der vergleichsweise niedrigen Bezahlung und den geringen Aufstiegsmöglichkeiten zu tun. Care-Arbeit macht sich aber nicht von alleine. Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass wir alle nur ausreichend ausgebildet sein müssen und dann enden wir schon nicht als Putzfrau oder Krankenpfleger. Was heißt hier enden?! Und eine bezahlte Erwerbstätigkeit ist nicht an sich einer unbezahlten Care-Tätigkeit vorzuziehen – wir leben nur in einer Gesellschaft, die dieses Muster so einfordert und begünstigt. Es ist nicht besser oder schlechter, Vorstandsvorsitzende*r statt Erzieher*in zu werden. Es ist gleichwertig. Und es ist an uns, die Umstände so zu verändern, dass wir dieser Tatsache gerecht werden.

Die Care-Revolution ist DAS nächste große Thema. Genauer gesagt ist es längst da. Kluge Menschen wie Antje Schrupp und Gabriele Winker

Care

haben bereits sehr deutlich klargestellt, dass Care-Arbeit ein lange verschlepptes Thema ist, bei dem wir uns schleunigst auf die Höhe der Zeit bringen müssen. Für eine Gesellschaft in der die Arbeit mit Menschen nicht weniger Wert ist als die Arbeit mit Maschinen. Für eine Gesellschaft, in der Fairness nicht nur auf Kosten anderer angetäuscht wird. Für eine Gesellschaft, in der das Kümmern um seine Mitmenschen endlich als das angesehen wird, was es ist: Wertvoll, wichtig und unverzichtbar.