Es ist Sommer und Fußball-EM. Das Land fiebert dem Eröffnungsspiel entgegen, in den sozialen Medien gibt es kaum ein anderes Thema und die Berliner Fanmeile bereitet sich auf einen Rekordansturm vor. Die Presse überschlägt sich geradezu mit Beiträgen und das obwohl es ja erst am Sonntag losgeht.

*Just kidding*

Denn im Sommer 2017 gibt es „bloß“ die Frauenfußballeuropameisterschaft. Daher muss man nach gespannter Vorfreude und medialem Dauerfeuer lange suchen. Trendige Hashtags gibt es auch nicht. Und die Fanmeile? Die ist weit und breit nicht in Sicht. Deutschland, die angebliche Fußballnation, entlarvt sich mal wieder als Männerfußballnation. Stehen Frauen mit ihrem Können auf dem Platz, wird es schnell still im Sommermärchenland. Und das obwohl die Spielerinnen (in Deutschland und darüber hinaus) schon seit vielen Jahren einen technisch versierten, abwechlungsreichen und temporeichen Fußball spielen, bei dem genauso Spannung und Nervenkitzel aufkommt, wie bei den Partien der Männer. Aber Frauen und Fußball, ne? das ist ja doch auch irgendwie, also wir wissen es ja auch nicht, aber dürfen die das?!

So einfach ist das also. Beziehungsweise: So einfach macht Mann es sich. Nach dieser „Logik“ wären Frauenfußballeuropa- oder weltmeisterschaften dann auch einfach überteuertes Verbrennen von Steuergeldern und in erster Linie ein gewaltiger Fehler. Ein Argument, das durchaus seine Berechtigung hat – allerdings nur , wenn es grundsätzlich für alle Fußballgroßveranstaltungen gilt.

Die Ablehnung von Frauen im Fußball ist kein neues Phänomen. Im Gegenteil: Die erhöhte Sichtbarkeit durch soziale Medien verdeckt eine langsame aber beständige Emanzipierung des Frauenfußballs.

Historisch gewachsene Ablehnung

Im Nachkriegsdeutschland sah man sich noch außerstande, Frauen und Fußball zusammenzudenken. So verhängte der DFB 1955 ein Frauenfußballverbot und begründete diesen Schritt u.a. mit folgenden unmissverständlichen Aussagen: Es läge auf der Hand, „dass diese Kampfsportart der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd ist, […] dass Körper und Seele unweigerlich Schaden erleiden [würden]“ und „dass das Zuschaustellen des Körpers Schicklichkeit und Anstand verletze und die Gebärfähigkeit beeinträchtige.“ Zusammengefaßt ging der DFB davon aus, dass Fußballspielen Frauen geisteskrank macht, zu Obszönitäten verleitet und Geburten verhindert.

1970 war der Spuk endlich vorbei – mit Abstrichen.

Seit 1984 gibt es die Fußballeuropameisterschaft der Frauen, seit 1991 auch die Fußballweltmeisterschaft. Immerhin.

3 gängige Vorurteile gegenüber Frauenfußball

Aber auch in der Gegenwart bleibt noch viel zu tun,  um die Akzeptanz des Fußballs der Frauen zu steigern. Oft sind es Vorurteile und Stereotypen dem der Ablehnung und dem Skeptizismus zu Grunde liegen. Dieser Post in einem Onlineforum zur Frage, weshalb Frauenfußball so unbeliebt sei, markiert gleich mehrere der Probleme.

1. Vorurteil in Bezug auf Frauenfußball:
Frauen spielten schlecht und der Sport sei deshalb schlichtweg uninteressant.

Hier geht es los. Dieses Vorurteil ist oftmals nur Tarnung für tiefersitzenden Sexismus. Richtig ist, die Geschichte des Frauenfußballs als professionelle Sportart ist deutlich kürzer als die der Herren. Folglich spielen Frauen in den meisten Ländern erst seit ein paar Jahren oder wenigen Jahrzehnten auf technisch hohen Niveaus. Auch die Anreiz- und Entlohnungssituation ist prekär und macht 24/7 Training wie bei den Herren fast unmöglich. Als Fußballspielerin über die Runden zu kommen, ist deutlich härter, als als Spieler. Die Frauen der DFB-Nationalmannschaft verdienen rund 50.000 Euro im Jahr (2011). Dafür würde sich kein einziger männlicher Nationalspieler fürs Training aus dem Bett rollen. Keine Frage, hier muss sich die Lage verbessern. Gleichzeitig tut sich aber auch einiges: Besonders in den letzten Jahren hat sich trotz genannter Hürden eine enorme Qualitätssteigerung, sowohl im Spiel als auch in der Organisation und im Training, gezeigt, so dass die großen Turniere des letzten Jahrzehnts voller spannender und hochkarätiger Spiele waren. Am Ende des Tages wird es schwer sein, die eingefleischten Feinde des Frauenfußballs von der Spielqualität zu überzeugen, denn egal, wie gut die Frauen spielen, es bleibt immer noch das….

2. Vorurteil in Bezug auf Frauenfußball:
Frauenmannschaften (an sich ein paradoxes Wort) wären Männermannschaften unterlegen.

Ein gutes Beispiel für diese Sichtweise bietet die Facebook-Seite Frauenfußball ist wie Pferderennen mit Eseln. Von der Geschmacklosigkeit solcher Seiten einmal abgesehen, hakt dieser Vorwurf hinten und vorne. Ja: Die durchschnittliche Frau ist kleiner und leichter als der durchschnittliche Mann und hat weniger Muskelmasse. Dennoch: Ein absoluter Vergleich von Frauen- und Männermannschaften ist sinnbefreit und hilft niemandem weiter. Beim Spiel geht es immer nur um relative Vergleiche. Der Frauenfußball ist in seiner individuellen Wettbewerbssituation also genauso faszinierend und anspruchsvoll, wie zwischen zwei Männerteams. Es bleibt aber noch das …

3. Vorurteil in Bezug auf Frauenfußball:
Das Spiel wäre spannender, hätten die Frauen nur mehr Sexappeal.

Hier kommt der volle Sexismus durch und entlarvt Vorurteil 1 und 2 (mehrheitlich) als Scheinargumente. Über Sport und die Objektifizierung von Frauen ist wahrlich schon viel geschrieben und noch mehr gestritten worden. Wer eine gute Zusammenfassung des Komplexes Fußball und Sexismus lesen möchte, dem sei Nils‘ Artikel vom letzten Jahr wärmstens empfohlen. Hier zeigt sich in seiner ganzen Abscheulichkeit der frauenfeindliche und frauenverniedlichende Unterbau des Sports, aber auch unserer Gesellschaft schlechthin. Physische Leistung, Einsatzbereitschaft, Aufopferung und Titelerfolge spielen letztlich eine untergeordnete Rolle vis a vis des äußerlichen Erscheinungsbildes der spielenden Frauen und ihrer sexuellen Erregung für Männer.

Das ist beleidigend für Frauen und für Männer. Frauen werden als Sexobjekte, die zu Unterhaltungszwecken in eine männliche Domäne gesetzt wurden, verkauft, während Männern unterstellt wird, sie hätten wirklich nur ein Interesse: Geschlechtsverkehr. Alles andere sei langweilig und uninteressant.

Weil es im Frauenfußball ja nie wirklich um Leistung und großartigen Sport gehen kann. Sondern um (hier bitte den üblichen sexistischen Müll einfügen, siehe )

Das geht anders. Das geht besser. Und ja: das geht auch mit jeder Menge Spaß. Denn so sehr Frauenfußball auch wie beschrieben ein problematisiertes Politikum sein mag, so wichtig ist es darüber nicht zu vergessen, dass für Fußballfans ab Sonntag wieder jede Menge großartiger Spiele geboten  werden. Und dass es neben Solidarität und ausgleichender Gerechtigkeit viele anderer Gründe gibt, die Spielerinnen und ihren Sport zu feiern.