Wir haben genug Statistiken, die zeigen, dass Mädchen weltweit noch zu wenig Zugang zu Bildung haben und dafür ein zu hohes Risiko tragen, sexueller Gewalt und Armut zu erliegen. Wir wissen, dass sich Mädchen in Deutschland schon mit sechs Jahren als eher unfähig für Technik und Mathematik empfinden und kaum Chancen haben, in Vorstände großer Unternehmen aufzusteigen. Deshalb bekommt der UN-Weltmädchentag (11. Oktober) auch in Deutschland regelmäßig Aufmerksamkeit.

Und wie jedes Jahr werden heute wieder viele Männer fordern: Und was ist mit dem Weltjungentag?

Sie haben nicht ganz unrecht. Mit dem Fokus auf den Weltmädchentag wird die Situation von Mädchen weltweit beleuchtet, selten aber gefragt, warum dieser Zustand sich nur in Mäuseschritten ändert oder wie er die Menschen betrifft, die profitieren, wenn Mädchen hintenanstehen. Nämlich Jungen.

Anstatt Mädchen gegen Jungen zu skandieren

sollten wir viel öfter die Frage stellen, wie es Jungen damit eigentlich geht. Haben die je gewählt, von den Medien beigebracht zu bekommen, dass Mädchen und später Frauen für sie schön und devot sein sollen? Wollten die, dass ihre Empathie durch den Mangel an intensiven Kuscheln und Spielen mit Puppen und Teddys weniger ausgebildet wird? Haben die geplant, als Erwachsene oft rat- und hilflos zu sein, wenn soziale Reaktionen abverlangt werden? Und wie findet der einzelne erwachsene Junge es, dass sein Geschlecht als privilegiert gilt, während seine eigene gescheiterte Ehe, seine prekäre Arbeitssituation oder seine durch andere Männer bedrohte Person keinen Raum oder Gehör findet? Er seine Wut und Trauer nicht auszudrücken kann ohne „Weichei“ genannt zu werden?

Mit der Werbemelder*in können wir Sexismus gegen Männer sichtbar machen!

Wir haben einen Weltfrauen- und einen Weltmädchentag, aber noch keinen Tag gegen toxische Männlichkeitsbilder. Liebe UN: Das wäre doch was. Ließe sich nicht so gut mit jungen, weiblichen Topmodels und älteren, weißen Nachrichtensprechern bewerben. Oder aber gerade. So wie wir den Glass Lion als „Pinken Pudel“ nach Deutschland holten, weil es den hier noch nicht gab, müssen wir ihn vielleicht selber ausrufen – wir denken drüber nach!

Bis dahin wünschen wir euch aber trotzdem einen Happy Weltmädchentag. Denn das eine zu etablieren heißt ja nicht, das andere abzuschaffen. Nur bitte nie schwarz-weiß, sondern mitdenken, wie das eine das andere bewirkt.

Lieben Gruß! Eure Stinker*s