Eine kleine Chronologie, nach Jahren sortiert.

2019

Das neue Jahr beginnt erneut mit Dreharbeiten: Wir produzieren einen Sensibilisierungsfilm für Handwerker*innen, die unserer Werbemelder*in zufolge mit am meisten sexistische Werbung produzieren. Hierfür kooperieren mit uns kostenlos Kreativteams der fünf größten Hamburger Werbeagenturen: Jung von Matt, Philipp und Keuntje, Grabarz und Partner, Kolle Rebbe und Thjnk. Wir dürfen bei Grabarz drehen, Czar Film stellt kostenlos ein Kamerateam und die Postproduktionsfirma Acht hilft bei Schnitt und Voice-Over. Die Handwerkskammer Hamburg hilft bei der Verbreitung.

Der Film wird sehr gut angenommen, weil er es schafft, ohne gehobenen Zeigefinger aufzuzeigen, wie man den Griff in die Sexismus-Kiste leicht vermeiden kann – und wie viel stilvoller und effektiver die Werbung damit wird.

Der Film wird Aufmacher für den zweiten Pinken Pudel, der dieses Jahr von noch mehr Werbeprominenz besucht wird und von der Behörde für Kultur und Medien der Stadt Hamburg gefördert wird. Collien Ulmen-Fernandes und Lisa Ortgies sind als Podiumsgäste dabei, Atze Schröder ist Gast und spricht in seinem nächsten Podcast lange und lobend über Pinkstinks. Der Pudel wird vor allem in der Werbefachpresse besprochen. Es wird thematisiert, dass Pinkstinks nach zwei Jahren fordert, ein großer Dachverband der Branche sollte sich des kleinen Köters annehmen: Es sei nicht Sache einer kleinen NGO, einen so wichtigen Preis zu vergeben. Die Online-Marketing-Rockstars, größte Digitalmarketing-Messe Europas, kooperieren daraufhin mit uns, so dass der Pinke Pudel 2020 vor Hunderten von Marketingmenschen in den Messehallen Hamburg stattfinden wird.

Die Broschüre „Rosa für Alle!?“ kommt im März aus der Druckpresse und wird 2019 10.000-fach bundesweit an Kitas verschickt. Dort soll sie Eltern und Erzieher*innen für gendersensible Erziehung sensibilisieren – mit witzigen Illustrationen und Design von Markus Abele. Wir bekommen begeisterte Rückmeldungen und es entsteht eine hohe Nachfrage.

Nach 7 Jahren Vollzeit-Aktivismus geht Stevie im April 2019 in eine vierwöchige Notpause. Zum Glück erhalten wir massenhaft Unterstützung, so dass Stevie zum Ende des Jahres ankündigen kann, eine strategische Geschäftsführung ausschreiben und sich 2020  lediglich Presse und Redaktion widmen zu wollen. Den Vorstand von Pinkstinks behält sie bei und wir freuen uns, dass Ende des Jahres Dank unserer nun fast 1.500 Förder*innen Wachstum und gesündere Organisationsstrukturen möglich sind.

Der Sommer ist aber noch von Überlastung geprägt. Zur Bikinisaision planen wir ein neues Musikvideo zum Beautywahn mit einem grandiosen neuen Song, „Beachbody“ von Marcel Wicker. Leider verschiebt sich das Video aus Personal- und Krankheitsgründen und kommt erst nach der Sommerpause, als die Strandsaison schon vorbei ist. Dadurch ist die Aufmerksamkeit ist nicht so hoch wie sonst zu unseren Filmen und generiert weniger Spenden als erhofft. Der Sommer ist aus mehreren Gründen hart für Pinkstinks. Die Förderung vom BMFSFJ geht im Sommer zu Ende, der Abschlussbericht steht an. Erst jetzt merken wir, dass die App nicht alle Daten liefern kann, die wir dafür gerne hätten – unsere Ansprüche sind durch unsere Erfahrungen stark gestiegen. Wir müssen aus eigenen Geldern die App weiterentwickeln und dafür 5.000 Daten noch einmal anfassen, um sie neu zu „taggen“. Wir überfordern uns damit zeitlich und personell extrem.

Hier zeigt sich das Problem unserer digitalen Welt: Exports testen, Daten einpflegen und programmieren lässt sich schlecht mit klickbaren Bildern bewerben. Der höchste Arbeitsaufwand für unsere Sensibilisierungsarbeit ist schlecht der Öffentlichkeit darstellbar.

Der große Einsatz lohnt sich jedoch enorm: Unser Abschlussbericht zu Sexismus in der Werbung, der im September 2019 erscheint, ist ausführlich, spannend und macht Presse. Er zeigt: In zwei Jahren haben wir knapp 7x so viele Einsendungen erhalten wir der Deutsche Werberat! Außerdem wird klar, dass stereotype Werbung, die nicht unter „schädliche, also sexistische Stereotype“ fällt, das größte Problem in der Werbemelder*in darstellt. Für uns heißt das: Mehr und effektive Sensibilisierungsprojekte anstatt vorrangig eine Gesetzesnorm zu fordern. Die Werbemelder*in ist nun neu gelauncht, viel User-freundlicher und langfristig einsetzbar! Hiermit werden wir weiter sichtbar machen, wo wie geworben wird und bei Diskriminierung laut werden.

Ein weiteres weitgehend unsichtbares Projekt in diesem Jahr ist unsere Vorbereitungsarbeit für die Schule gegen Sexismus, die 2020 durchstarten soll. Wir testen filmische Ideen und Stile für dieses neue Sensibilisierungsformat, das Pinkstinks für jede*n erlebbar machen soll. Die ersten zehn Videos mit Texten entstehen, alle in unserer Instagram-Community sehr beliebt, wo wir inzwischen auf 21.000 Fans angewachsen sind. Insgesamt zählen wir 120.000 Follower in den Netzwerken.

Zu Weihnachten amüsieren wir mit einem kleinen Weihnachtsvideo mit Jamie Watson: In „Oh, ich Fröhliche!“ freut sie sich darüber, dass ihr Mann für sie kocht, weil sie sich Jahr für Jahr abwechseln. Weihnachten lebt eben von Traditionen – aber nicht von Klischees! Die Plakatkampagne dazu hängt auf knapp 300 Flächen in Berlin-Mitte, pünktlich zur letzten Adventswoche.

Für 2020 planen wir zwei Schule gegen Sexismus-Videos im Monat, einen fulminanten, dritten Pinken Pudel und mehr Inhalt für das Pinkstinks-Magazin. So viel Sensibilisierung wie geht!

2018

Zum Start von „Germany’s Next Topmodel“ haben wir gemeinsam mit Mädchen und Jungen einer Hamburger Stadtteilschule einen Anti-GNTM-Song geschrieben und ein Video dazu gedreht. “Not Heidi’s Girl” entstand unter der Regie von Lara-Maria Wichels (Lu Likes), ging viral und wurde innerhalb weniger Wochen mehr als eine Million Mal gesehen. Passend dazu sind auch Sticker und Poster erschienen, die unsere Message in die Schulen und Jugendzimmer transportieren soll: Schluss mit Beautystress und Bodyshaming! Die Kampagne wurde für den Smart Hero Award 2018 nominiert.

Am 1. März haben wir den „Pinken Pudel“ vergeben, den ersten Positivpreis für progressive Werbung. Hochkarätige Speaker*innen, eine Fachjury und über 150 geladene Gäste aus Werbung, Medien, Politik und Aktivismus tauschten sich im Haus 73 über die Möglichkeiten aus, Werbung diverser und progressiver zu gestalten. Für Pinkstinks war der Abend ein weiterer Türöffner für eine noch engere Zusammenarbeit mit der deutschen Werbebranche. Seither ergeben sich fortlaufend Gespräche, Beratungen und Kooperationen mit diversen Agenturen.

Die „werbemelder.in“ als Meldestelle für sexistische Werbung hat sich gut etabliert. Nach knapp sechs Monaten sind 1.200 Einreichungen über Webseite und App eingegangen, davon wurden knapp 400 als sexistisch eingestuft. Wir haben begonnen, telefonisch mit den Verantwortlichen Kontakt aufzunehmen, um mehr über Hintergrund und Entstehung der einzelnen Motive zu erfahren, sie zu sensibilisieren und idealerweise zur Entfernung des beanstandeten Motivs zu bewegen.

Nach ausführlicher Beratung bringt der FC St. Pauli in Zusammenarbeit mit Pinkstinks ein Regelwerk gegen Sexismus im Stadion heraus. Die Broschüre richtet sich in erster Linie an Werbepartner und Sponsoren des Vereins und zeigt Grenzen sexistischer Werbung auf. Gleichzeitig ist die Initiative auch eine Selbstverpflichtung, als Sportverein in Zukunft noch klarer und konsequenter für eine bunte, tolerante Welt einzustehen. Damit ist der FC St. Pauli der erste Verein Deutschlands, der mithilfe einer klaren Richtlinie Diskriminierung die rote Karte gibt. Wir arbeiten daran, dass weitere Vereine und Unternehmen diesem progressiven Beispiel St. Paulis folgen, um Sexismus Stück für Stück aus dem öffentlichen Leben zu vertreiben.

Jedes Mädchen kann eine Heldin sein, egal welche Superkraft sie hat! Unser Malbuch „Heldinnen zum Ausmalen“ ist im März als Alternative zum einseitigen Topmodel-Merchandise erschienen und über unseren Shop bestellbar. Neben sieben Heldinnen mit jeweils drei Silhouetten zum Ausmalen gibt es je Heldin zwei wunderschön gestaltete Kreativseiten, auf denen ihre Abenteuer aufgeschrieben werden können.

Auch wenn die Förderung des Bundesfamilienministeriums für unsere Theaterarbeit mittlerweile ausgelaufen ist: “David und sein rosa Pony” muss weitergehen! Das Stück ist gefragt wie nie, täglich erreichen uns Anfragen von Schulen, die es gerne zeigen würden, um mit ihren Schüler*innen in den Dialog über Geschlechterrollen zu kommen. Nun müssen wir dieses wichtige Herzensprojekt mit Spendengeldern am Leben halten.

Im Sommer erreichen wir hohe Aufmerksamkeit mit unserer Plakatkampagne „Echt jetzt!“, die auf über 1000 Plakatwänden Deutschlandweit (digital und gedruckt) hängt, die Werbeflächen-Vermarkter Wall uns kostenlos stellt. Wir sensibilisieren mit Plus-Size und Age-Models in Bikinis (unretouchiert) ca. 6 Millionen Menschen, die die Plakate zu sehen bekommen und erhalten begeisterte Kommentare in Presse und per E-Mail.

Stevie darf für den ZDF-Dokumentarfilm „No more Boys and Girls“ als wissenschaftliche Beraterin mitwirken und nimmt an den Dreharbeiten in Köln teil. Die zweiteilige Doku (mit Collien Ulmen-Fernandes als Moderatorin) bleibt nach hoher Nachfrage langfristig in der Mediathek und wird von Eltern und Pädagog*innen bundesweit gefeiert.

Zum Weltmächentag produzieren wir das Musikvideo „Sichtbar sein“, in dem Jamie Watson zu einem Song von Marcel Wicker rappt. Gendersprache wird so mit Witz und gutem Sound in die Klassenzimmer gebracht – Lehrer*innen melden uns bundesweit zurück, dass es sie freut, ein Produkt nutzen zu können, das so gut bei den Kids ankommt. Kein Wunder: Die Idee zum Video kam von der „Not Heidi’s Girl“-Gruppe selbst! Auch wenn – nachdem im Sommer die neue Datenschutzverordnung in Kraft getreten ist –  das Video in den Presseberichten nicht so schnell geklickt wird, erreicht es immerhin eine Viertelmillion Viewer.

Wir beenden das Jahr mit einer Plakatkampagne in Berlin, auf der ein Mann betroffen und ernst fragt, warum Küche, Kinder und Kekse zu Weihnachten immer an ihm hängen bleiben. Mit diesem augenzwinkernden Kommentar, der viele Lach-Emojis in den sozialen Netzwerken erntet, gehen wir ins neue Jahr.

2017

Das Jahr startet im Gespräch mit dem Bundesfamilienministerium: Im März kommt dann die Beauftragung, Medienbausteine zum Monitoring sexistischer Werbung in Deutschland zu erstellen. Nach der Sommerpause wollen wir eine App auf den Markt bringen, mit der man sexistische Werbung noch schneller melden kann. Auf einer dazugehörigen Webseite kann man einsehen, was dagegen getan wird. Wir freuen uns auf das Projekt!

Gleichzeitig erhalten wir eine weitere Förderung für unsere Theaterarbeit “David und sein rosa Pony”, für das uns die Presse sehr lobt. Wir dürfen weiter bundesweit durch Schulen touren!

Unser Youtube-Kanal LuLikes hat inzwischen 10.000 Abonnent*innen aber kein Geld mehr. Wir fragen nach und bekommen genug neue Förder*innen, um weiterzumachen! Ab Mai wird s es neue Filme geben!

Die Webseite und App Werbemelder*in startet im Oktober. Hierüber werden uns täglich Werbemotive zugesendet, die als sexistisch empfunden werden. Wir prüfen die Einreichungen, ordnen sie anhand unserer juristischen Kriterien in “sexistisch”, “stereotyp” und “nicht-sexistisch” ein und stellen sie auf einer Deutschlandkarte dar.

Wir rufen den ersten deutschen Positivpreis für progressive Werbung ins Leben: Der Pinke Pudel wird als deutsche Antwort auf den Glass Lion in Cannes im März 2018 mit einer großen Party und prominenter Unterstützung, unter anderem vom Gesamtverband Kommunikationsagenturen, Katja Eichinger und der Rapperin Finna, verliehen. Ausgezeichnet wird Werbung, die mit Geschlechterstereotypen bricht und Vielfalt feiert.

Mit der Plakat-Kampagne “Gender Marketing wirkt länger als man denkt” hängen wir zur Vorweihnachtszeit an 220 Litfaßsäulen in Berlin, um für mehr Vielfalt und weniger Klischees in der Werbung und unterm Weihnachtsbaum zu werben. Die Plakate sind außerdem über unseren Shop bestellbar und haben sich schnell zu einem unserer Topseller entwickelt. Außerdem regen wir mit unserem Bierdeckel-Set Gespräche über Sexismus in den Kneipen an.

2016
Mit einer fulminanten Party und Konzert feiern wir im Februar in Berlin lauter Lieblingsmenschen und protestieren damit gegen die erste Ausstrahlung der neuen Staffel von Germanys Next Topmodel in diesem Jahr. Die Presse ist begeistert. Im März berichtet der Spiegel auf zwei Seiten über Pinkstinks und lobt unsere Lobbyarbeit am Bundestag zu Seximus in der Werbung. Mit diesem Ritterschlag der Pressebranche folgt eine große Pressewelle, die wir bis zum Sommer bedienen. Nebenbei starten wir unseren Youtube-Kanal für Jugendliche, schon bis zum Sommer verzeichnen einige Videos über 60.000 Views. Ende September launchen wir unsere Posterkampagne “Sexy yes – Sexism no!”, die Sticker und Poster werden wie verrückt bei uns bestellt. Inzwischen hat die SPD-Fraktion im Bundestag beschlossen, im nächsten Koalitionsvertrag ein zweijähriges Monitoring-Projekt einzubringen, dass den Werberat strenge Auflagen macht. Werden diese nicht erfüllt, soll unsere Gesetzesnorm implementiert werden.
2015

Die erste Jahreshälfte konzentriert sich auf intensives Fundraising, strategische Beratung und Überlegungen zur weiteren Ausrichtung.

Regelmäßig “shitstormt” Pinkstinks Produkte vom Markt, zum Beispiel hier und hier und hier.

Zum Start von GNTM 2014 starten wir die Heidiwatch: Jede Woche ein Bild für die sozialen Netzwerke, in dem unter dem Hashtag #keinBildfürHeidi über die Gefahren von GNTM aufgeklärt wird. Nils twittert live jeden Donnerstag zur Sendung. Die Protestgemeinde wächst. Pinkstinks startet eine Petition, die die Kommission für Jugendmedienschutz dazu bewegt, die Sendung erneut auf “Jugendgefährdung” zu prüfen. Im Herbst 2015 kommt die KJM zu dem Ergebnis, dass GNTM weiter gehen darf. Stevie streitet sich in München im Bayrischen Staatsministerium mit ProSieben.

Unsere Lobbyarbeit macht große Schritte. Wiederholt sind Stevie und Berit Völzmann im Bundestag, um über die Gesetzesnorm zu reden. Auf dem SPD-Bundesparteitag (November) soll über die Norm abgestimmt werden – leider nehmen TTIP und Doppelspitze viel Raum ein und die Abstimmung wird auf den kleinen Parteitag verschoben.

Im August ist Pinkstinks endlich genug gewachsen, dass wir uns eine Campaignerin leisten können: Lisa Lehmann bereichert mit 30 Stunden das Team und wir ziehen erstmals in unser eigenes Büro.

Spender*innen ermöglichen, dass Blanca Fernandez und ihre Kollegin Manuela Stange mit “Einfach TOP – ohne Model” wiederholt auf Tour gehen können. Die Kampagne “Uns gehts ums Ganze” holt das Stück an 15 Schulen in Bayern. Im Herbst 2015 finanziert filia die Frauenstiftung fünf Pinkstinks-Theaterprojektwochen. Wir schreiben über den Newsletter (inzwischen 14.000 Abonnent*innen) und Facebook (16.500 Likes) aus: Über 100 Bewerbungen von Schulen erreichen uns innerhalb der ersten Stunde. Blanca tourt darauf bundesweit.

Im Winter arbeiten wir am Aufbau eines Jugendangebots.

Die Flüchtlingskrise schafft Raum für viel rechtspopulistischen Feminismus, gegen den sich Pinkstinks wiederholt in Blogeinträgen ausspricht. Wir verlieren Unterstützer*innen in der Presse, nehmen diesen Verlust aber bewusst in Kauf.

Das Bundesfamilienministerium finanziert ein Demokonzert gegen Körperhass und Sexismus zum Start von GNTM 2016. Wir buchen Sookee, Finna, Bernadette LaHengst und Tamika und machen uns an die Arbeit.

2014

Zu One Billion Rising nimmt Pinkstinks den Deutschen Werberat erneut ins Visier: Die Organisation fordert eine Überarbeitung seiner Diskriminierungskriterien. Nach einem gemeinsamen Podium in Berlin-Friedrichshain verändert der Werberat im Juli 2014 tatsächlich seine Kriterien, rügt aber nach wie vor zu wenig. Pinkstinks kündigt an, eine Gesetzesnorm zu erarbeiten, die eine gesetzliche Richtlinie für Sexismus in der Werbung darstellen soll.

Zu GNTM 2014 schreibt Pinkstinks einen Gedichtwettbewerb aus und kündigt eine Demo zum Finale in Köln an. Heidi Klum zeigt sich “not amused”. Die Kritik gegen GNTM ist 2014 noch stärker als 2013. Die Demo wird ein Presse-Ereignis.

Juni 2014: Deutschlands Werbefachzeitschriften schreiben regelmäßig über Pinkstinks. Stevie Schmiedel wird zur Jahrestagung der Deutschen Werbestrategen (APG) eingeladen, um über die nächsten Kampagnen zu berichten.

Im September 2014 startet Pinkstinks ein Theaterstück gegen Gender-Marketing für Grundschulen: David und sein rosa Pony zeigt, dass Pink für alle da sein sollte. Das Buch dazu sowie das rosa Pony kann über den Pinkstinks-Shop bezogen werden, der außerdem kostenlos Flyer, Sticker und Aktionssets zur Bestellung anbietet. Ca. 200.000 Flyer verschickt Pinkstinks 2014.

Im Herbst 2014 veröffentlicht Pinkstinks die von Dr. jur. Berit Völzmann erarbeitete Gesetzesnorm gegen Sexismus in der Werbung. Innerhalb kurzer Zeit wird sie von allen großen Frauenrechtsorganisationen, dem Deutschen Juristinnenbund und mehr als 20 Bundestagsabgeordneten unterstützt. Pinkstinks-Campaigner*innen reisen regelmäßig nach Berlin für Gespräche mit Politiker*innen, um eine ernsthafte Thematisierung im Bundestag vorzubereiten.

Mode-Fotograf Stephan Ziehen (Gala, Grazia) und Art-Director Jo Kühmstedt (Nivea) schießen im Oktober eine Pro-Bono-Kampagne für Pinkstinks, um neue Frauenrollenbilder von der Werbeindustrie zu fordern. Spender*innen finanzieren eine Edgar-Postkarten-Kampagne, Brigitte.de und andere zeigen die Bilder als Alternative zu gängigen Modebildern.

Pinkstinks ist mittlerweile die meistgefolgte Frauenrechtsorganisation auf Facebook. Mit Unterstützung der Bewegungsstiftung und privaten Spenden und Förder*innen kann Pinkstinks inzwischen ein Büro und 60 bezahlte Arbeitsstunden finanzieren, die sich auf zwei Frauen und zwei Männer verteilen. Journalist Nils Pickert führt inzwischen mit Stevie Schmiedel den Pinkstinks-Blog, zusammen mit Design-Studentin Annina Brell kümmert sich Jacob Fricke um Verwaltung und Fundraising.

Weitere Erfolge: Folgende Produkte wurden nach Veröffentlichung auf der Pinkstinks-Fanseite sofort vom Markt genommen oder sich öffentlich entschuldigt:

Die Bahn AG bekommt im Mai 2014 Ärger für ihre Werbung zum Muttertag (“Mama ist die Schönste, Papa ist der Beste”). Innerhalb einer Stunde sind beide Elternteile “die Besten”.

Lidl nimmt im Sommer 2014 ein Bierfass aus dem Werbung, das eine halbnackte Frau ohne Kopf und den Spruch “Fass mich an” ziert.

Zur gleichen Zeit nimmt Häfft.de ein Hausaufgabenheft aus dem Sortiment, das einen Frauenhintern zeigt.

Anfang 2015 kündigt Tchibo an, künftig auf Produkte “nur für Mädchen” oder “nur für Jungen” zu verzichten.

2013

2013 hat Pinkstinks eine so große FB-Community, dass die Organisation effizient zu Shitstorms gegen sexistische Produkte aufrufen kann. Dieses Produkt war nach einigen Stunden vom Netz.

Zum Start von Germanys Next Topmodel 2013 tourt Pinkstinks durch Deutschland mit einem Straßentheater, das zeigt, wie sehr Mädchen und Frauen vom Schönheitszwang bedrängt sind. Dafür hagelt es Interviews – die Außenwerbung zur neuen Staffel wird erst kurz vor Sendestart plakatiert.

Mit einer gemeinsamen Demonstration mit der Linksjugend Berlin und Pressearbeit gegen das “Barbie-Dreamhouse” erzielt Pinkstinks international Aufmerksamkeit auf das pinke Horrorhaus in Berlin. Anstatt durch Deutschland zu touren, flog das “Horrorhaus” nach einigen Wochen direkt zurück nach Florida. Pinkstinks spricht dazu in Talk-Shows und vielen Fernsehbeiträgen.

Im August startet Pinkstinks Theaterarbeit an weiterführenden Schulen zum Thema GNTM und Schönheitszwang. Als Präventionsarbeit gegen Essstörungen und Depressionen gewinnt es die Förderung durch den Fond Soziokultur.

Eine Unterschriftenaktion an den Deutschen Werberat, Kinder als Verbraucher*innen von Außenwerbung ernst zu nehmen, unterscheiben 17.000 Menschen auf der Pinkstinks-Webseite. Das Ende der Petition feiert Pinkstinks am Brandenburger Tor mit über 1000 Menschen – Sookee, Tocotronic, Bernadette La Hengst und Doctorella machen Musik dazu. Der Werberat ist gesprächsbereit, bleibt aber stur. Die Presse zur Aktion erstreckt sich über Frauenzeitschriften bis zur Süddeutscher Zeitung.

Im Oktober verleiht Justizministerin Jana Schiedeck, die Messe Hamburg und der Hamburger Landesfrauenrat Stevie Schmiedel die “Zitronenjette”, eine Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement für die Gleichberechtigung von Hamburgs Bürgerinnen und Bürger.

Ende 2013 wählt Brigitte Stevie Schmiedel als eine von 13 Frauen des Jahres.

2012

Genderforscherin Stevie Schmiedel bekommt mediale Aufmerksamkeit durch ihren Protest gegen Geschlechterklischees in Werbung und Kinderspielzeug. Als die Hamburger Morgenpost ihren Protest aufs Titelblatt holt, muss C&A ihre frisch plakatierte Bikini-Werbung deutschlandweit von den Leuchttableaus holen. Seit dem versucht sich C&A um eine stete Verbesserung seiner Kampagnen – 2013 waren auch Männer in Bademoden zu sehen.

Das rosa Überraschungsei von Ferrero bekommt “Stunk” von der frisch gegründeten Organisation Pinkstinks Germany und nimmt das Produkt zunächst für drei Monate vom Markt. Leider wird es Anfang 2013 wieder aufgelegt – nur ohne die extrem mageren Winx-Feen, gegen die Pinkstinks eine Petition geführt hatte. Seit 2015 verzichtet Ferrero endlich auf das “nur” in “für Mädchen”.

Stevie Schmiedel nutzt die Presse um Pinkstinks, um die Frage aufzuwerfen, wer eigentlich die Werbung in Deutschland kontrolliert. Zum Weltmädchentag wird sie ins Hamburger Rathaus eingeladen, um über die Konsequenzen sexistischer Werbung zu referieren. Spiegel-Online Bloggerin Silke Burmester gefällt das.

Die Geburtsstunde von Pinkstinks

Pink stinkt natürlich nicht. Die Farbe duftet im Frühling meist hervorragend. „Pink stinks!“ war aber der Ausruf einer Mutter, als nach dem Kindergeburtstag ihrer Zwillingstöchter der gesamte Gabentisch von Produkten überquoll, die allesamt pink waren. Alle diese Produkte diktierten den Mädchen nämlich, sich optisch zu verschönern und klein und niedlich zu sein. Beim pinken Monopoly kann man Beauty-Salons statt Banken erwerben. Beim pinken Memory findet man süße Tierchen. Ganz einfach baut man das pinke Lego „Friends“, zusammen und geht dort mit normdünnen Mädchen in Beauty-Salons und Shoppen. Die rosafarbene Prinzessin Lillifee kümmerte sich liebevoll um ihre Tierchen und befliegt ihren Kleiderschrank. Mit dem pinken Chemiebaukasten kann man Muffins backen. Aber bitte nicht für sich selbst! Barbie und co. geben Magermaße vor.

Dieser Ausruf war die Geburtsstunde von Pinkstinks. Nicht, um irgendwem den Spaß an Pink, Backen, Verschönern, Plüschtieren oder Prinzessinnenkronen zu verderben. Sondern um mehr zu fordern: Matsch, Technik, räumliches Denken und Raum für Mädchen, die laut und wild sein wollen. Rosa Ponys für Jungen, die kuscheln und sich kümmern möchten: Auch als Erwachsene. Was in London als Social-Media-Aktion von zwei Aktivistinnen gestartet wurde, kam durch die Genderforscherin Stevie Schmiedel 2012 als unabhängiges Projekt nach Hamburg. Hier machte sie Pinkstinks zur Non-Profit-Organisation, um starre Geschlechterrollen in Medien und Werbung herauszufordern. Die ersten Monate allein, ein Jahr später kam der Journalist Nils Pickert hinzu.  Inzwischen sind wir ein fünfköpfiges Team mit ca. 100.000 Social-Media-Abonnent*innen und 720 Fördermitgliedern. Willkommen bei Pinkstinks!

Damit wir auch in den nächsten Jahren Kampagnen, Protest und Bildungsarbeit gegen Sexismus machen können, brauchen wir Deine Unterstützung!

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