In der letzten Woche drehte sich viel um Männer und Männlichkeit. Es wurde nachgedacht, geschwafelt, gehetzt, geprahlt, infrage gestellt und behauptet. Den Anfang machte am Mittwoch AfD-Hansel Björn Höcke. In Erfurt umriß er auf einer Parteiveranstaltung seine Vorstellung davon, wie Europa und Deutschland auf islamistischen Terror reagieren sollte.

Das große Problem ist, dass Deutschland, dass Europa ihre Männlichkeit verloren haben. Ich sage, wir müssen unsere Männlichkeit wieder entdecken, denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wieder entdecken, werden wir mannhaft und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft (…).

Wehrhaftigkeit durch Männlichkeit also. Über den widerlichen Zynismus dieser Aussage lohnt es sich kaum Worte zu verlieren. Sie bildet jedoch den Auftakt für das, was am Donnerstag los war. Für diejenigen von euch die es nicht mitbekommen haben: Donnerstag war Internationaler Männertag. Und ja, es war auch Welttoilettentag. Für einige Grund genug, darüber in den Sozialen Medien Witze zu machen.

Andere hingegen versuchten den Anlass zu nutzen, um in klischeehaften Bildern ihre Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen.

Aber worum soll es eigentlich am Internationalen Männertag gehen? Um Vorbilder jenseits von Filmstars und Sportlern, um Männergesundheit, um Aufmerksamkeit für Diskriminierung von Männern und letztendlich sogar um Gleichberechtigung. Grund zu ungeteilter Freude ist das allerdings nicht. Braucht es tatsächlich einen speziellen Tag, um auf die Belange von Männern aufmerksam zu machen? Wofür einen extra Männertag begehen, wenn die anderen 364 Tage im Jahr faktisch auch Männertag ist? Ist das nicht ein bisschen so wie einen Extratag dafür, reichen Leuten Geld zu spenden und Feminist*innen anzuschreien?

Diese Fragen müssen tatsächlich erlaubt sein. Und zwar nicht etwa, weil Männer keine realen Probleme hätten, die angegangen und behoben werden müssten, sondern weil die Probleme, mit denen sich Frauen konfrontiert sehen, wieder und wieder klein geredet, lächerlich gemacht und in Abrede gestellt werden. Während Männer sich andere männliche Vorbilder außer Sportler und Filmstars wünschen, stehen potentielle weibliche Vorbilder vor den Tatsachen, dass sie als Sportlerinnen ständig ungefragt sexualisiert und auf ihren Körper reduziert werden und als Filmstars ab einem bestimmten Alter kaum noch Rollen angeboten bekommen und zudem noch deutlich schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Wer die Probleme, mit denen Frauen* Tag für Tag zu kämpfen haben, ins Lächerliche zieht, der gibt seine eigenen Probleme der Lächerlichkeit preis. Wer sich ständig in gesellschaftspolitischen Debatten, in denen es um frauenspezifische Themen geht, mit dem „Hinweis“ darauf drängt, was denn jetzt eigentlich mit den Männern sei, der trägt zugleich dafür Verantwortung, dass niemand mehr hinhören will, wenn tatsächlich mal Männerproblematiken adressiert werden sollten.

Dabei wäre das durchaus wichtig. Zum Beispiel um herauszufinden, warum die Selbstmordrate junger Männer in Großbritannien so erschreckend hoch ist und was das mit toxischen Männlichkeitskonzepten zu tun hat.

Selbstmordrate

Oder auch deshalb, weil der mentale Gesundheitszustand des Freundes kein Witz ist.

Wenn der Internationale Männertag ein Tag ist, an dem Männer ihre Ignoranz für die Probleme von Frauen weder bezeugen noch feiern, kann es ein guter Tag sein. Andernfalls ist es nur wieder so ein Tag. Mit Welttoilettentag obendrauf.

Nils Pickert