Lego hat mit der neuen Produktserie „Friends“ einige Artikel provoziert, deren Reaktionen (und das Hickhack auf Facebook) ich mit Interesse verfolgt habe.

Ich muss nicht wiederholen, was andere schon geschrieben haben – wir wissen, dass niedliche, unnatürlich schlanke Puppen in hohen Dosen schädlich sind. Mädchen berauschen sich heutzutage an fetischisierten Selbstbildern, wofür Lego nicht taugte… bisher. Jetzt ist ein neues Sortiment an Spielfiguren erschienen – inklusive eigener Biographien, damit es nicht etwa heißt, dass ihre Kreationen stumpfe Klischees reproduzieren. „Wieso stereotyp, Sandra mag doch Kung Fu!“

Aber ich möchte ein paar der gängigsten Argumente derer entkräften, die nichts Schlimmes an Legos rosaroter Herzchenstadt entdecken können.

 

„Und was ist mit Belville?“ Es scheint das ultimative Totschlagargument: Es stimmt, „Lego Friends“ ist nicht der erste Versuch, Mädchen auf eine eigene (sexistische) Produktreihe festzunageln. Neben Belville gab es auch noch die Produktserie Paradisa. Und da wir es damals nicht für nötig hielten zu protestieren, ist unser Protest heute anscheinend ungerechtfertigt. Das ist in etwa so, als würde man sagen: „Früher waren Frauen nicht wahlberechtigt, und das war ihnen egal. Warum haben sie auf einmal das Wahlrecht gefordert, wenn sie auch früher nicht wählen durften?“ (Ja, der Vergleich hinkt, aber er gefällt mir trotzdem). Wie kommen wir bloß dazu, uns so aufzuregen – es war ja schon immer so!

Wirklich?

 

Als Belville Mitte der 90er in Erscheinung trat, war rosa noch nicht unvermeidlicher Bestandteil des Mädchen-Daseins. Man war noch nicht der Ansicht, dass die Begeisterung für rosa der weiblichen Psyche angeboren sei. Heutzutage ist das allerdings die vorherrschende Meinung. Hinter jeder Ecke lauern neonpinke Geschmacklosigkeiten, die die Erfüllung kommerziell generierter Träume mittels noch mehr rosa Glitzerkram versprechen. Lego wird pinker? Und ob wir uns jetzt beschweren sollten.

 

„Schaut euch Olivia an, sie ist eine Erfinderin und sie hat einen Roboter“! Ja. Sieh einer an, was Lego für euch tut: Statt einem Klischeebild bieten sie euch eine echte Vorzeigefrau. Bravo Lego, dass ihr so schön den Schein des politisch Korrekten wahrt. Ein dreifaches Hoch auf die Alibi-Repräsentantin! Nein. Olivias Alibi macht den Rest der zuckersüßen Sahnetörtchenwelt nicht wett.

„Die Lego Friends sind niedlich; sie haben Wimpern.“ Einige der längsten Wimpern, die ich je gesehen habe, gehörten Jungen. Die Lego Friends haben rosa Lippen. Sind Mädchenlippen etwa anders als Jungenlippen? Außerdem haben sie Bambi-Augen. Menschen sind anscheinend darauf programmiert, Sachen mit großen Augen süß zu finden, weil Babyaugen größer sind; deshalb finden wir Puppen mit großen Augen unwiderstehlich. Noch vor nicht allzu langer Zeit verließ Lego sich auf die Freude am Bauen um sein Spielzeug zu verkaufen. Jetzt benutzt es wie Mattel und alle anderen die Mädchen selbst. Niedliche Mädchen an Mädchen verkaufen: Liegt’s an mir? Oder ist das irgendwie seltsam?

Elaine Johnson, übersetzt von Lena Pemöller