Wenn Stevie und ich Texte für Blog oder Watch schreiben, dann bemühen wir uns zumeist darum, euch möglichst eindeutige und drastische Beispiele für sexistische Darstellungen zu zeigen, weil damit am effektivsten auf das Problem aufmerksam gemacht werden kann. Material dafür gibt es genug: Ihr schickt es uns auf Facebook oder per Mail (Weiter so!). Wir finden es bei den tollen Menschen von #ichkaufdasnicht, feminsist und anderen. Oder wir werden selbst davon erschlagen: Im Internet, am Bahnhof, auf dem Weg zum Elternabend. Dabei bedienen wir uns häufig aus zwei Kategorien. Zum einen die der sinnbefreiten Geschlechtssegregation, in der es eben nicht nur (wie bei diesem Beispiel von Haribo) darum geht, ein Produkt auf pink/hellblau zu ziehen, sondern auch wie gerade bei Pom-Bär um die Behauptung, dieses oder jenes Produkt sei „nur für Mädchen“ beziehungsweise „nur für Jungen“.

Pombär

Also Sachen, bei denen man froh sein muss, dass die Industrie einen vorher warnt, damit man nicht Ausversehen eine Identitätskrise bei sich oder seinen Kindern auslöst (Man stelle sich nur vor wie Jungen Mädchenknabbereien essen!).

Zum anderen die der immer neuen Variationen von zusammenhangsloser Produktdekoration durch die (semi)nackte Darstellung weiblicher Körper. Damit lässt sich nahezu jedes Thema blickfangtechnisch aufwerten wie auch Margarete Stokowski (taz) anhand von Magazintitelbildern zeigt.

(Nebenbei: Liebe Margarete, „alles außer Tiernahrung“ – ich bitte dich!)
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(Slogan: „Better keep your dog happy!“)

Sexismus funktioniert aber auch über Geschlechtsstereotypen und Limitierungen. Und da wird es schon kniffliger. Während es relativ unkompliziert ist, den obligatorischen Vorwurf der Prüderie (Wieso, das ist doch eine ästhetische, nackte Frau da auf dem Plakat!) zu kontern (Kann ja sein, aber was hat die noch mal mit dem zu bewerbenden Produkt zu tun?), ist das bei begrenzenden, stereotypisierten Darstellungen schon schwieriger. In diesem Zusammenhang wird uns immer wieder vorgeworfen, in einer Art elitär-feministischen Bildsprache an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeiwerben zu wollen. Und dass wir uns an unwichtigen Kleinigkeiten hochzögen.

Letzte Woche schrieb uns dazu ein Facebook User, er lehne unsere Petition ab, weil wir dagegen seien, dass Frauen als Mütter und Männer als hart arbeitend in der Werbung dargestellt werden. Sind wir nicht. Wir sind stattdessen von der „nicht nur, sondern auch“ – Fraktion: Gibt auch genug Männer die Väter sind und Frauen, die hart arbeiten. Wieso sollte das nebensächlich sein? Wieso bildet man das nicht ab? Wie sollen wir gesellschaftlich akzeptieren und wertschätzen können, was unsichtbar gemacht wird? Oder um ein aktuelles Beispiel zu bemühen: Wieso bildet der Deutsche Anwaltverein (Arbeitsgemeinschaft Erbrecht) nicht die Tatsache ab, dass es auch vermögende Frauen gibt, die etwas zu vererben haben? Warum beschränkt er sich und uns auf peinliche Klischees über Erbschleicherinnen

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und Männer als Macher?

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Sollte man dagegen nicht etwas tun? Ja genau!

Nils Pickert