„Wir nennen es Pornflakes.“ Ganz klar, dass das mein Stichwort ist. Es könnte nicht klarer sein, wenn ein Karnevalstusch aus dem Off erschallen oder ein Arsch mit Ohren Emoji eingeblendet würde, das „Tätääää“ brüllt. Auch nicht, wenn sich Mario Barth persönlich dazugesellen und „Kennste, kennste?!“ fragen würde. Diese und viele andere Stellen des Werbeclips für die Marke Roofy’s sollen witzig sein.

Naja. „Geht so“ wäre noch untertrieben. Letztklassig trifft es schon eher. Da Humor aber immer auch Geschmackssache ist, soll es an dieser Stelle gar nicht darum gehen, dass ich das nicht lustig finde. Sondern eher darum, wie hier vorgegangen wird und warum das überflüssig und, ja, irgendwie auch ziemlich feige ist. Denn was hier aufgeboten wird, ist ironischer Sexismus. Eine Spielart von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht also, die darauf abhebt, dass alle Beteiligten volljährig sind, es aushalten und einsortieren können. Außerdem wollen wir ja mal nicht päpstlicher als der Papst sein und unter uns Pastorentöchtern, höhö … und so weiter. Ironischer Sexismus will sich nicht das Recht nehmen lassen durch Sexismus zu veranschaulichen oder mit Sexismus zu kalauern. Denn es geht ja um die Veranschaulichung oder den Kalauer. Der Sexismus ist nur Mittel zum Zweck und somit gar nicht wirklich Teil der eigenen Anschauung. Deswegen kann Mann sich auch total ironisch den Ellbogen ablecken lassen

oder eine komplett sexistische Produktreihe entwickeln.

Gegen Kritik verteidigt man ironischen Sexismus üblicherweise so:

„Das ist doch so krass übertrieben, dass es gar nicht ernst gemeint sein kann.“
„Lach doch einfach drüber.“
„Typisch humorbefreite Feminazis!“

Und falls wirklich eine größere Anzahl von Leuten ihren Unmut über die Werbung bekunden, dann folgt die klassische Nichtentschuldigung: „Wenn sich jemand dadurch beleidigt gefühlt haben sollte, dann tut uns das leid.“ Also vorher nicht. Warum auch?!

Die Autorin Julia Korbik hat das mal als „Hipster-Sexismus“ bezeichnet. Sexismus, der gar nicht so gemeint sein, zumindest aber nicht so verstanden werden wissen will. Der darauf besteht, so unfassbar aufgeklärt zu sein, dass er mit einem Augenzwinkern stattfinden kann. Der sich darüber hinaus auch noch für seine Subversivität feiern lassen möchte, obwohl er nichts riskiert. Denn er basiert nicht etwa auf der Art Ironie, die sich im Angesicht einer dominanten oder totalitären Machtausübung Freiräume für Individualität und Widerstand schafft, sondern nur auf der Art Ironie, hinter der man sich verschanzen kann und die verhindern soll, dass man womöglich auf seine Meinung und Haltung festgelegt wird. Diese letztere Ironie kommt reichlich adoleszent daher und ergötzt sich daran, aus dem Gegenüber eine Positionierung herauszuschwatzen, um sich anschließend über sie zu erheben: „Ich meinte das ja gar nicht so. Haha! Aber wie albern, dass dir das so wichtig ist.“

Roger Willemsen hat das vor einigen Jahren in einem Vortrag gewohnt brillant analysiert:

„Denn natürlich sind wir alle entsetzt darüber sagen zu können, nur noch bei Antisemitismus und Kinderpornografie geht es noch um etwas. Alle anderen Dinge scheinen wir zu behandeln, als lohne sich der Streit darüber nicht und sie lösten sich im Uneigentlichen oder im  Ironischen auf.“

Ironischer Sexismus ist also – entgegen seinen Selbstbekundungen – alles andere als harmlos. Er behauptet zu wissen, dass man Frauen nicht so behandelt, um es dann doch zu tun. Wer nicht lacht, hat den Witz nicht verstanden. Wer die Metaebene nicht sieht, der ist einfach nur zu blöd. Ironischer Sexismus kommt sich überlegen vor und ist doch bloß überheblich. Er behauptet, auf etwas hinzuweisen, zeigt aber dabei nur auf sich. Und entlarvt keinen gesellschaftlichen Missstand außer sich selbst. Ironischer Sexismus ist eine doppelte Zumutung, weil er nicht nur aufgrund von Geschlecht diskriminiert, sondern von den Betroffenen auch noch verlangt darüber zu lachen: Ist doch nichts dabei. Jetzt habt euch doch nicht so!

Doch. Wir haben uns so!

Quelle Bilder: Screenshots Roofy’s.