Möglichst bald mehr von Julia Korbik lesen … das war bei der Rezension zu ihrem letzten Buch Oh, Simone! der Plan und er scheint aufgegangen zu sein. Nur ein paar Monate nach der überfälligen (Wieder)Entdeckung Simone de Beauvoirs nun also How to be a girl. Beide Bücher haben auf den ersten Blick nicht viel gemein und auf den zweiten dann doch einiges.

Der deutlichste Unterschied ist die Zielgruppe. Oh, Simone! ist klar an Erwachsene gerichtet, die mit der großen Philosophin und Feministin zwar noch entfernt etwas verbinden, ihr aber deutlich näher kommen wollen. How to be a girl richtet sich an Mädchen. Es als männlicher Rezensent zu lesen, fühlt sich zunächst ein bisschen so an, als würde man verbotenerweise im Tagebuch einer Jugendlichen lesen (Randbemerkung: Nicht machen, Finger weg!). Aber dann stellt sich schnell heraus, dass das Buch auch ziemlich gute Lektüre für einen Erwachsenen ist. Ganz besonders wenn dieser Erwachsene Vater (Hier, ich!) oder Mutter einer Teenie-Tochter ist.

Das liegt zum einen an der Form und der Ansprache, die auch die Verbindung zu Oh, Simone! herstellt. Wieder beginnt Julia Korbik bei sich und wieder verzichtet sie auf eine Inszenierung als unnahbare Expertin: Wie ist sie aufgewachsen, was hat ihr die Frage How to be a girl als Mädchen bedeutet, was bedeutet sie ihr als 30 jährige Frau? Und wie zuvor benutzt sie Listen, Merkhilfen, kleine Kurzinterventionen und Einschübe, um nicht von oben herab zu monologisieren, sondern eine entspannte Vertraulichkeit zu schaffen, ohne sich dabei anzubiedern. Auch hier wieder: Man muss Listicles nicht mögen (Check!), um Korbik einen sinnvollen und souveränen Umgang mit ihnen zu attestieren. Die Luise-Büchner-Preis Gewinnerin weiß genau, was sie tut. Ihr Kleines LGBTI-Alphabet könnte man sich als Elternteil auch ausschneiden und an den Kühlschrank hängen, um für entsprechende Gespräche mit den Kindern gewappnet zu sein.

Womit wir beim Inhalt wären. Je länger ich lese, desto mehr stelle ich fest, dass hier Seite um Seite Fragen behandelt werden, die meine Tochter mir ständig stellt:

Wieso ist in Filmen Liebe immer so unrealistisch und Sex so bescheuert?
Warum werden Jungs so oft anders behandelt als ich?
Können Teenager eigentlich was bewegen oder hört denen sowieso niemand zu?
Wie behaupte ich mich? Wie geht diskutieren? Wie bringe ich mich ein?
Kann ich zu Instagram? Und warum sehen da alle immer so krass aus?

Ich bemühe mich, auf all diese Fragen gute Antworten zu haben. Aber für manche fühle ich mich echt zu alt und in anderen schwimme ich ziemlich. How to be a girl scheint beide Probleme nicht zu haben. Es ist vollgepackt mit großartigen Vorbildern, Girl Crushes und kompakten Informationen. Es ist dabei aber keine Anleitung oder ein Handbuch, sondern eher Navigationshilfe.

Jetzt musst du das nur noch alles in einen Text packen, denke ich.
„Uhhh, das ist aber schick!“ sagt meine Dreizehnjährige, pfeffert ihren Schulranzen in die Ecke und blättert interessiert in dem Buch, das gerade noch neben mir lag. „Ist das für mich?“
„Ich schreib nachher noch ne Rezension drüber und dann ist es für dich.“
„Coooool!“

Das kann man als Fazit zu How to be a girl so stehen lassen.

How to be a girl – stark frei und ganz du selbst erschienen im Gabriel Verlag. Ab 13 Jahre. 160 Seiten, 14,99 €.