Das Thema Fettsein beschäftigt uns im Rahmen von Körpernormen und Schönheitsidealen schon länger. Mit unserem Role Model Virgie Tovar haben wir vor einiger Zeit ein ausführliches Interview darüber geführt, um ihre Meinung darüber zu erfahren, warum fette Menschen nicht nur ausgegrenzt und lächerlich gemacht werden, sondern Fettsein regelrechte Glaubenskriege entfacht. Fett scheint einen Missionierungswillen hervorzurufen, der jenseits von jeder realen Gesundheitsgefähdung einzelner Personen liegt. Fette Menschen gelten als faul, ungepflegt, prokrastinierend und generell verweigernd. Damit werden sie zugleich als unproduktives Mitglied der Gesellschaft identifiziert und das muss man ihnen dann auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Gesicht schleudern. Auf gar keinen Fall können fette Menschen sportlich, fit oder gar athletisch sein. Oder doch?

Krista Henderson beispielsweise ist Triathletin und hat für sich und andere ein Sportprogramm entwickelt, bei dem es primär nicht darum geht, Gewicht zu verlieren sondern fitter zu werden.

Jessamyn Stanley zeigt auf ihrem Instagramprofil ihr Leben und ihre Bewegung rund um Joga.

Mirna Valerio betreibt das Blog Fat Girl Running und zeigt, dass es für das Interesse am Laufen keine Gewichtsbegrenzung gibt.

Und Roz Mays bringt Menschen aller Körpergrößen bei, wie man um eine Stange tanzt und schwebt.

Während diese und viele andere Beispiele zeigen, dass sich Fettsein und Fitness nicht ausschließen, ist sich die Wissenschaft uneinig. Einige Studien zeigen beispielsweise, dass der Body Mass Index (BMI) nicht als Indikator für den Gesundheitszustand taugt. Knapp die Hälfte aller Menschen, bei denen Übergewicht diagnostiziert wird, sind gesund. Dementsprechend ist es kontraproduktiv, wenn Krankenkassen den BMI dazu heranziehen, um Tarife zu berechnen oder Extravergütungen auszuschütten. Sie zeigen auch, dass Fettsein nicht zwingend ein Gesundheitsrisiko darstellen muss. Andere Studien sagen das genaue Gegenteil aus und verweisen darauf, dass selbst unsportliche, träge Menschen, die schlank sind, länger leben als fette Menschen, die Sport treiben. Wobei letztere Studien Zusammenhänge ausblenden. Fettsein als Gesundheitsrisiko einzustufen, wenn die Wahrscheinlichkeit als fetter Mensch höher ist, Selbstmord zu begehen und/oder Alkohol- und Drogenmissbrauch zu betreiben ist die eine Sache. Eine andere Sache ist es jedoch, an dieser Stelle nicht zu erwähnen, inwiefern diese Risiken mit gesellschaftlicher Ausgrenzung, permanenter Abwertung und psychischer Belastung einhergehen. Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Während die Wissenschaft also noch forscht, zeigen fette Menschen jeden Tag, dass Körper auch jenseits von Normschlankheit großartig sind. Und dass Fettsein nicht stigmatisiert werden sollte.